Erstellt am 26. November 2012, 09:18

Bestechungsprozess gegen Ernst Strasser begonnen. Unter überschaubarem öffentlichen Interesse - ein erheblicher Teil der Sitzplätze im Großen Schwurgerichtssaal blieb unbesetzt - ist am Montag im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen den ehemaligen Innenminister (ÖVP) und EU-Parlametarier Ernst Strasser eröffnet worden.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft dem 56-jährigen Grieskirchner Bestechlichkeit vor. Eine Armada an Fotografen und Kameramännern belagerte die Anklagebank, als Strasser um Punkt 9.00 Uhr den Saal betrat und im einsetzenden Blitzlichtgewitter wortlos Platz nahm. Neben den professionellen Berichterstattern zeigten jedoch erstaunlich wenig "Kiebitze" Interesse am Verhandlungsauftakt gegen den Ex-Innenminister. Dafür fanden sich einige Richter und Staatsanwälte des Grauen Hauses im Publikum - darunter mit Stefan Apostol auch der Richter, der ab Mitte Dezember im selben Saal gegen den Waffenlobbyisten Alfred Mensdorff-Pouilly verhandeln wird.

Strasser bezifferte bei den Fragen nach seinen Generalien sein aktuelles Einkommen mit 5.000 Euro brutto. Sein Vermögen hat sich seinen Angaben zufolge seit Einleitung des Ermittlungsverfahrens von 120.000 auf 30.000 Euro reduziert.

Strasser soll im November 2010 zwei als Lobbyisten getarnten britischen Journalisten bei einem Abendessen angeboten haben, für ein Honorar von 100.000 Euro die Gesetzgebung im EU-Parlament zu beeinflussen. Das Gespräch mit den vermeintlichen Lobbyisten wurde heimlich mitgeschnitten, nach der Veröffentlichung der Videos musste Strasser Ende März 2011 zurücktreten.