Erstellt am 09. März 2012, 12:08

Bienensterben - Maßnahmen auf EU-Ebene gefordert. Noch vor Beginn der Imkerei-Hauptsaison im April haben Experten am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien vor dem Bienensterben in Europa gewarnt sowie auf die Wichtigkeit dieser Tiere hingewiesen.

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Durch ihre Bestäubungsleistung ist die Honigbiene nach Rind und Schwein das drittwichtigste Tier für die Ernährung des Menschen, sagte SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach.

"Die Biene ist zu klein. Wäre sie größer, würde man ihr nicht einfach so beim Sterben zusehen", konstatierte Kadenbach. Alleine in Österreich seien die Bienenvölker in den Jahren 1995 bis 2008 von 320.000 auf 220.000 zurückgegangen. "Bienengesundheit muss zu den Prioritäten der Landwirtschaftspolitik gehören", forderte die Europaabgeordnete. Konkrete Maßnahmen zum Schutz müssten in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU festgeschrieben werden, Landwirte über die sichere Handhabung von Pestiziden informiert werden.

Ab 2014 wird ein neues langfristiges EU-Budget in Kraft treten, das auch eine reformierte GAP enthalten wird. Im Zuge dessen richtete die EU-Parlamentarierin am Freitag eine schriftliche Anfrage an die EU-Kommission, um zu klären, welche konkreten Schritte gegen das Bienensterben in die neue GAP einfließen sollen.

Der Evolutionsbiologe Walter Hödl von der Uni Wien machte bei der Pressekonferenz darauf aufmerksam, wie wichtig Bienen für die Umwelt sind. "Sex ist wichtig", sagte er. Die sexuelle Fortpflanzung von Blüten erfolgt über Bestäubung. "Bienen sind als Bestäuber unersetzbar." Insgesamt gebe es 670 Wildbienen in Österreich: "Unterschiedliche Blüten benötigen unterschiedliche Bestäuber." Die Forderung des Biologen: "Auf die Diversität der Fauna und der Insektenwelt muss Rücksicht genommen werden."

Harald Singer ist Berufsimker, er führt einen Biobetrieb mit mehr als 1.000 Bienenvölkern in der Steiermark, Niederösterreich und Wien. Vom Bienensterben ist er persönlich betroffen. "Für einen Imker ist es wie in einem Horrorfilm wenn die Bienen sterben", sagte Singer.

Schon seit Jahren wird in Österreich und Europa über den Zusammenhang zwischen Bienensterben und insektizidgebeiztem Saatgut (Neonicotinoide) diskutiert. Während die Mittel in Deutschland und Italien verboten wurden, dürfen sie in Österreich weiter verwendet werden - unter Auflagen und Beobachtung durch das Forschungsprojekt "Melissa". "Für die Biene sind bereits vier Nanogramm tödlich", sagte Singer. Bienensterben führe beim Imker neben wirtschaftlichen Folgen auch zu "emotionale Problemen und ungeheuerlichen Stress".

Kadenbach erläuterte, dass es in Europa ungefähr drei Prozent Berufs- und 97 Prozent Hobbyimker gebe. Wenn das Bienensterben so weitergehe, gebe es "langfristig nur noch ein paar Idealisten", die sich mit Bienenzucht beschäftigen würden, resultierte die EU-Abgeordnete.