Erstellt am 08. Juni 2011, 15:39

Bisher 25 Tote durch EHEC-Bakterien. Der gefährliche Darmkeim EHEC hat in Deutschland nach Angaben von Gesundheitsminister Daniel Bahr bisher 25 Tote gefordert. Er sagte am Mittwoch nach einem Krisentreffen in Berlin, die Zahl der neuen Infektionen gehe aber zurück.

epa02756208 A laboratory worker compares EHEC colonies in petri dishes at the Robert Koch Institute in Wernigerode, Germany, 27 May 2011. Spanish authorities denied that two vegetable farms had been temporarily sequestered because of a food-poisoning outbreak that has killed seven people in Germany. The seventh German to be pronounced an EHEC victim was a woman, 38, who died Thursday night after being admitted to hospital in critical condition in the northern city of Kiel. The only male fatality in Germany is a man, 38, found dead in his Hamburg home by emergency services. In little over a week, 1,000 people have fallen ill with haemolytic-uraemic syndrome (HUS), a disease triggered by E. coli bacteria. Survivors risk life-long kidney deficiency. German officials say cucumbers from Spain were the source of the disease. EPA/MATTHIAS BEIN  |  NOEN, MATTHIAS BEIN (DPA)
Nach den Beratungen mit den Gesundheits- und Verbraucherministern der deutschen Bundesländer zeigte sich der Politiker deshalb optimistisch, "dass wir bundesweit das Schlimmste hinter uns haben". Er wies zugleich Kritik am Krisenmanagement zurück: "Ich habe keinen Anlass, an der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern zu zweifeln."

Die Infektionswelle sei der schwerste jemals beobachtete EHEC-Ausbruch in Deutschland und Europa, teilten die Minister nach dem Treffen mit. Bisher seien 1.959 Fälle registriert, davon 689 mit besonders schwerem Verlauf, berichtete Bahr im Bundestag. Es sei nicht auszuschließen, dass es weitere Todesfälle und Neuinfektionen gebe. Daher könne keine Entwarnung gegeben werden. Das Robert Koch-Institut habe aber zurückgehende Zahlen von Neuinfektionen festgestellt. Warnungen vor dem Verzehr von rohen Gurken, Paradeisern, Salat und Sprossen müssten aufrechterhalten werden.

Die Hinweise auf einen gesperrten Biohof in Niedersachsen als mögliche Quelle der Epidemie verdichteten sich. Eine dritte Mitarbeiterin des Betriebs sei im Mai vermutlich an dem Darmkeim erkrankt gewesen, sagte Niedersachsens Agrarminister Gert Lindemann. In Sprossen-Proben fanden sich aber bisher keine EHEC-Erreger.

EU-Verbraucherkommissar John Dalli, der an dem Treffen in Berlin teilnahm, will nach Ende der Krise über mögliche Lehren sprechen. Die deutschen Anstrengungen gegen EHEC seien aber beeindruckend.

Die EU-Kommission hatte gestern, Dienstag, eine Entschädigungssumme von 150 Millionen Euro für die EU-Gemüsebauern angekündigt. Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich (V) ist die von der Kommission genannte Summe "zu wenig", sagte er am Mittwoch dem Ö1-Mittagsjournal. Das in Österreich mit einer Mio. Euro dotierte "Maßnahmenpaket" für Gemüse-Werbekampagnen sei "kein frisches Geld", sondern werde von der AMA Marketing "vorgezogen".

"Eine Million wird sicher nicht reichen, um hier das Vertrauen zu gewinnen und wieder Sicherheit beim Konsumenten zu bekommen", sagte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, dem Ö1-Morgenjournal. Bauernbund-Chef Fritz Grillitsch (V) erwartet, dass EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos die Entschädigungen für die Bauern "deutlich aufbessern wird". In Österreich brauche man "dringend eine Trendumkehr bei den Einkäufern der Handelsketten und den Konsumenten", so Grillitsch am Mittwoch in einer Aussendung. Sonst würden "tausende Tonnen Gemüse aus heimischer Produktion in den Lagern liegen bleiben und letztlich vernichtet werden müssen".

Auch für den Grünen-Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber "muss nachgebessert werden". Berlakovich hätte auch "eigene Möglichkeiten zur Verfügung, um den Bauern "unter die Arme zu greifen". Mit bis zu 7.500 Euro pro Hof könne er "dem drohenden Bauernsterben gemäß EU-Vorgaben etwas entgegensetzen".

Die SPÖ-Bauern fordern ebenfalls "volle Entschädigung" für die Verluste. Die österreichischen Gemüsebauern hätten durch den "falschen EHEC-Alarm bei Gurken und Tomaten Einbußen von 70 bis 75 Prozent erlitten", so Josef Pfeisinger, Vorsitzender der SPÖ-Bauern Wien.

Deutsche fanden mutiertes Bakterium im Müll
Auf einem Gurkenrest in einer Mülltonne in Magdeburg haben Experten die mutierte Form des EHEC-Keims nachgewiesen. Dies teilte ein Sprecher des Landesgesundheitsministeriums am Mittwoch mit. Die Mülltonne gehörte einer Familie, die an EHEC erkrankt ist.