Jennersdorf , Eisenstadt

Update am 02. Dezember 2016, 08:54

von APA Red

Bluttat in Asylunterkunft: Prozess vertagt. Weil er am 10. Mai 2016 auf einen Landsmann einstach und diesen schwer verletzte, steht ein irakischer Asylwerber vor Gericht.

Der Angeklagte im Gerichtssaal in Eisenstadt  |  Elisabeth Kirchmeir

Erst seit zehn Monaten war der 29-jährige Iraker in Österreich, als er den Mordversuch begangen haben soll. Er soll im Streit einen anderen Asylwerber mit einem Fleischmesser so massiv verletzt haben, dass dieser zwei Notoperationen unterzogen werden musste.

Vor dem Streit hatte der Angeklagte mit einem Zimmerkollegen und dem späteren Opfer im Wald gegrillt und Alkohol getrunken. Am Heimweg kam es zwischen dem 29-Jährigen und seinem Landsmann, Vater einer kleinen Tochter, zum Streit.

„Ich wollte ihm Angst machen“

Angeblich ging es darum, dass der Angeklagte dem anderen Mann keinen Alkohol mehr geben wollte. Die verbale Auseinandersetzung spitzte sich immer mehr zu, schließlich soll der Familienvater einen seiner Flip-Flops nach dem 29-Jährigen geworfen haben. Im arabischen Kulturkreis gilt das Bewerfen mit Schuhen als massive Beleidigung.

Der Angeklagte ging in sein Zimmer und holte ein Fleischmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge, mit dem er zuvor Fleisch und Zwiebeln geschnitten hatte.

„Ich wollte ihm Angst machen“, erklärte der Angeklagte vor Gericht. Verletzen habe er seinen Landsmann nicht wollen. „Er ist wie mein Bruder!“, betonte der Angeklagte mehrfach.

Vor der Polizei hatten Augenzeugen geschildert, dass der Angeklagte geschrien haben soll: „Ich stech‘ ihn ab! Ich bring‘ ihn um!“

Asylwerber drohte mit Vergewaltigung

Mitbewohner versuchten, den Rasenden zu stoppen. Einen Mann, der sich ihm in den Weg stellte, verletzte der 29-Jährige mit einem Schlag ins Gesicht.

Staatsanwältin Petra Schweifer  |  Elisabeth Kirchmeir

Der Familienvater konnte sich in einem der Zimmer der Asylunterkunft in Sicherheit bringen, doch der 29-Jährige beruhigte sich nicht. „Er sagte, wenn du nicht aufmachst, gehe ich zu deiner Frau...“, berichtete das Opfer.

Aus Angst, seine Frau könnte vergewaltigt werden, öffnete der Familienvater die Tür. Sein Kontrahent soll sich hineingedrängt und dem Opfer im Verlauf des folgenden Gerangels eine zehn Zentimeter tiefe Stichwunde an der linken Seite zugefügt haben.

„Einem Mitbewohner gelang es, den Angeklagten wegzuzerren und ihn einzusperren“, schilderte Staatsanwältin Petra Schweifer (Foto links) den weiteren Verlauf.

Alkoholisierung von 1,36 Promille festgestellt

Der Angeklagte bekannte sich zwar schuldig, behauptete aber, selbst attackiert, beschimpft und beleidigt worden zu sein.

Wie es zu der Stichverletzung kam, wisse er nicht, zumal er alkoholisiert gewesen und unter dem Einfluss von Marihuana gestanden sei.

Die Polizei hatte bei dem Mann nach der Tat mittels Alkomattest eine Alkoholisierung von 1,36 Promille festgestellt - weit von einer vollen Berauschung entfernt, wie der psychiatrische Sachverständige Manfred Walzl ausführte.

Weitere schwerwiegende Tathandlungen seien zu befürchten, weshalb der Sachverständige die Einweisung des Angeklagten in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher empfahl. „Er braucht eine Therapie“, sagte der Gutachter.

Der Prozess wurde vertagt.