Erstellt am 04. Februar 2015, 15:58

Gedenken an Fuchs-Attentat auf Roma in Oberwart. Vor 20 Jahren wurden in Oberwart vier Roma durch eine Rohrbombe ermordet. Im Gedenken an dieses Attentat, aber auch unter Hinweis auf die jüngsten Anschläge in Paris bekannten sich Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) am Mittwoch zum entschlossenen Vorgehen gegen Rassismus, Diskriminierung und Extremismus.

Josef Simon, Peter Sarközi, Karl Horvath und Erwin Horvath starben in der Nacht auf den 5. Februar 1995, als sie eine Tafel mit der rassistischen Aufschrift "Roma zurück nach Indien" entfernen wollten. Dahinter hatte sich eine Sprengfalle des Briefbombenbauers Franz Fuchs verborgen.

Mit einer Ausstellung, einem Lichterzug und in einer Gedenkfeier wird am Nachmittag und Abend in der burgenländischen Gemeinde der Opfer gedacht. Erwartet werden dazu u.a. Bundespräsident Heinz Fischer, Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) sowie Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics und Superintendent Manfred Koch.

"Wachsam gegenüber antidemokratischen Tendenzen"

"Dieser schwerste politische Anschlag seit 1945 hat uns gezeigt, dass wir wachsam gegenüber autoritären und antidemokratischen Tendenzen sein müssen. Das ist heute aktueller denn je", betonte Bundeskanzler Faymann am Vormittag. Man lasse es nicht zu, dass extreme Gruppierungen einen Keil in die Gesellschaft treiben. Österreich sei eine Nation der Vielfältigkeit, genau darin bestehe ihre Kraft: "Jede Volksgruppe hat das Recht auf einen fairen, gerechten und respektvollen Umgang."

Faymann erinnerte daran, dass die Volksgruppe der Roma - die seit 1993 in Österreich als solche anerkannt ist - während der NS-Zeit systematisch verfolgt wurde. 17.000 ihrer Angehörigen wurden im Zuge des Holocausts im sogenannten Zigeunerlager in Auschwitz umgebracht.

"Gemeindesam für Grundwerte unserer Gesellschaft eintreten"

Das Rohrbomben-Attentat von Oberwart - es war der Anfang einer weiteren Briefbombenserie - habe gezeigt, wohin Fremdenhass und Extremismus in letzter Konsequenz führen können. "Umso wichtiger ist es, dass wir in Österreich konsequent für Toleranz, Respekt, Menschenrechte und ein friedliches Miteinander eintreten", mahnte Vizekanzler Mitterlehner. Auch die jüngsten Anschläge von Paris hätten einmal mehr verdeutlicht, "dass wir gemeinsam für die Grundwerte unserer Gesellschaft eintreten und sie entschlossen gegen Terroristen verteidigen müssen".

Auch die Grünen und die NEOS gedachten am Mittwoch der Opfer des Rohrbomben-Anschlages in Oberwart vor 20 Jahren. Auch unter Hinweis auf die jüngsten Anschläge in Paris plädierte Grünen-Chefin Eva Glawischnig dafür, "gemeinsam für ein friedliches Miteinander aller Bevölkerungsgruppen" einzustehen und sich als Gesellschaft nicht von Hass und Extremismus spalten zu lassen.

Der Oberwarter Anschlag, bei dem vier Roma starben, dürfe niemals vergessen werden, sagte der stv. NEOS-Klubobmann Niki Scherak. Anschläge gegen das Gesellschaftssystem, wie jene in Frankreich, dürften nicht zu Hass gegen Minderheiten führen. " Intoleranz gegenüber Muslimen hat in Österreich genauso wenig zu suchen, wie der Hitler-Gruß bei einer Demonstration in der Wiener Innenstadt."