Erstellt am 10. Oktober 2012, 15:35

Drei Jahre Soko-Kfz: Weniger Autodiebstähle. Österreich für Diebe immer uninteressanter, Abwärtstrend bei gestohlenen Fahrzeugen hält an. Die Sonderkommission wird aber weiter fortbestehen.

In den Jahren 2008 und 2009 gab es einen immensen Hype an Kfz-Diebstählen in Österreich. Eine Spezialeinheit der Polizei, die Soko-Kfz, wurde daraufhin gegründet. "Organisierte Intensivtäter mit hoher Intelligenz" erforderten Spezialisten unter den Polizeibeamten, die es mit den professionellen Kriminellen aufnehmen konnten. Diese Spezialisten wurden zur Soko-Kfz zusammengezogen, sagte General Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamtes. Der Erfolg der Einheit lasse sich sehen: Seit ihrer Gründung geht die Zahl der Diebstähle kontinuierlich zurück.

9.289 Kraftfahrzeuge sind im Jahr 2009 in Österreich gestohlen worden, 2010 ging diese Zahl bereits deutlich auf 5.150 zurück. Im ersten Halbjahr 2012 wurden 2.017 Kfz als gestohlen gemeldet. "Die Zahlen, Daten und Fakten der Soko-Kfz sprechen eine klare Sprache", bilanzierte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) bei einem Pressegespräch am Mittwoch. Die Soko soll auch in Zukunft Bestand haben. "Wir wollen damit ein Signal senden, dass wir weiterhin rigoros arbeiten", betonte die Ministerin.

Derzeit kommen Tätergruppen aus Polen und der Ukraine, aber auch aus Slowenien, Ungarn, der Slowakei und Tschechien nach Österreich. Die internationale Zusammenarbeit spielt im Kampf gegen die Kriminellen eine große Rolle, betonte Lang. Mehr als die Hälfte der Täter kommen aus dem Ausland.

Die Zeit der Einzeltäter ist seit Jahren vorbei, berichtete Chefinspektor Andreas Kummer, der operative Leiter der Soko-Kfz. Die Täter arbeiten im Verband, organisieren Fahrer, die die gestohlenen Fahrzeuge von A nach B bringen. Häufig werden Arbeitslose oder Drogensüchtige dafür eingesetzt. Der Lohn für ihre Diebestour ist gering. Etwa zehn Prozent des Zeitwerts des Fahrzeuges bekommen sie dafür. "Sie müssen es daher öfter machen, um gut daran zu verdienen", sagte Kummer.

Auf das Know-how der österreichischen Beamten zeigte man sich im Innenministerium Stolz: Andere Länder greifen gerne auf das Wissen der Österreicher zurück. Zuletzt gelang es Beamten der Soko-Kfz an der ukrainisch-russischen Grenze binnen drei Stunden drei manipulierte Pkw aus dem Verkehr zu ziehen. Der Erfolg der ukrainischen Beamten war hingegen bescheiden: Ihnen gelang dies innerhalb eines Jahres nur zweimal.

Ein hoher Prozentsatz an gestohlenen Fahrzeugen wird in seine Einzelteile zerlegt und weiterverkauft. "Das bringt wirtschaftlich am meisten", sagte Kummer. So lassen sich auch die Spuren am besten verwischen. Abnehmer für das Diebesgut finden sich hauptsächlich in der Slowakei, in Ungarn und ehemaligen Kriegsländern, wo die Nachfrage an Mobilität hoch ist.

Drei Jahre Soko-Kfz laut Zahlen des Innenministeriums:
298 mutmaßliche Täter ausgeforscht
157 Personen festgenommen
672 gestohlene Fahrzeuge mit einer Schadenssumme von fast 20 Millionen Euro Tätern zugeordnet
280 Kfz im Gesamtwert von rund 8,5 Millionen Euro sichergestellt