Erstellt am 20. Januar 2012, 17:46

Drogerieriese Schlecker schlittert in Pleite. Deutschlands größte Drogeriekette Schlecker, die auch in Österreich mit 970 Filialen vertreten ist, steht vor der Pleite. Das Geld reicht nicht mehr für den groß angelegten Umbau, der den seit Jahren defizitären Branchenriesen retten soll.

epa03069204 An image showing a German drug strore giant Schlecker drug store in Munich, Germany, 20 January 2012. Schlecker has confirmed its self-administered insolvency plans on Friday. The insolvancy application was filed for at short notice. Schlecker is trying to retain a large part of the thousands of stores and approximately 30,000 jobs in Germany. EPA/PETER KNEFFEL  |  NOEN, PETER KNEFFEL (DPA)
Eine Zwischenfinanzierung für die anstehende Sanierung sei gescheitert, teilte das Unternehmen aus Ehingen bei Ulm am Freitag mit. Nun solle Schlecker über einen Insolvenzplan wieder auf die Beine gestellt werden. "Ziel ist der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze", versicherte die Kette. In Summe beschäftigt Schlecker rund 47.000 Personen, über 30.000 in Deutschland, rund 3.000 in Österreich. Nach dem Insolvenzantrag übernimmt die deutsche Arbeitsagentur die Löhne für bis zu drei Monate.

Der Geschäftsbetrieb laufe "unverändert weiter, und auch die Zahlung der Mitarbeitergehälter (...) ist gesichert", teilte Schlecker mit. Der "Weg der Restrukturierung" solle fortgesetzt werden. Experten sehen für die Drogeriekette kaum Chancen auf einen Fortbestand. Ein Zerschlagungsszenario erscheint am wahrscheinlichsten. "Um so einen Laden umzudrehen, müssen Sie einen sehr langen Atem haben". Schlecker habe allerdings weder einen guten Namen, noch gute Standorte. "Vielleicht findet sich trotzdem ein Abenteurer, der das kauft. Aber ich kann es mir nicht vorstellen", so ein Experte, der nicht genannt werden möchte.

Österreich-Geschäft soll aufrecht bleiben
Vorerst durchatmen heißt es für die rund 3.000 Österreich-Mitarbeiter der vor der Pleite stehenden deutschen Drogeriekette Schlecker. "Unmittelbar bemüht man sich, die Geschäfte in Österreich aufrechtzuerhalten", sagte Karl Proyer, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp), Freitagabend. Dies habe ihm Schlecker-Österreich-Geschäftsführer Andreas Kozik gesagt. Kozik sieht laut Proyer unmittelbar keine Insolvenzgefahr in Österreich. Kaffeesudlesen könne man aber nicht, hieß es. Eine Insolvenz in Deutschland könnte die Österreich-Tochter aber mit in den Abgrund reißen, waren sich Experten heute einig. Die sogenannte Planinsolvenz, die Schlecker anstrebt, ist ein Spezialfall des deutschen Insolvenzverfahrens und entspricht in etwa dem in Österreich 2010 eingeführtem Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung.

Den Beschäftigten in Österreich bietet die Gewerkschaft Hilfe an. Inzwischen sollten auch schon alle über die aktuellen Vorgänge in Deutschland informiert sein. Das Klima zwischen der Gewerkschaft und Schlecker hat sich in Österreich zuletzt deutlich verbessert, nachdem es in der Vergangenheit massive Probleme wegen fehlender Sozialpläne, illegalen Kontrollen privater Taschen und Spinde oder der Abschaffung des 25-Prozent-Mehrarbeitszuschlages für Teilzeitkräfte gab.

Im Dezember besiegelten die ehemaligen Streithähne in Wien eine "Dialogvereinbarung", die vorsieht, dass in mehrmals jährlich stattfindenden Treffen aktuelle Themen und Anliegen der Beschäftigten und der Geschäftsführung von Schlecker gemeinsam mit dem Betriebsrat und der GPA behandelt werden sollen.