Erstellt am 27. Mai 2011, 18:48

Durchfall-Epidemie hat Österreich erreicht. Die beiden EHEC-Keim-Verdachtsfälle in Österreich haben sich bestätigt: Die beiden deutschen Männer, die am Nachmittag in Oberösterreich wegen den typischen Beschwerden ins Krankenhaus gebracht wurden, sind positiv auf den Erreger getestet worden.

 |  NOEN, INGO WAGNER (DPA)
Die Betroffenen waren mit dem Fahrrad von Norddeutschland kommend unterwegs gewesen. Die Abklärung über den genauen Bakterienstamm, der in Graz durchgeführt wird, soll in zwei bis drei Tagen vorliegen.

Möglicherweise ist das Virus mit dem Fahrrad nach Österreich eingereist: Die beiden Männer waren etwa zwei Wochen lang von Norddeutschland her nach Österreich geradelt, als vor drei bis vier Tagen die Symptome auftraten. Wo die beiden aus Norddeutschland kommenden Männer sich angesteckt haben, ist nicht klar. Über den Behandlungsort gab das Gesundheitsministerium keine Auskunft, ebenso wenig darüber, wo die Männer in Oberösterreich unterwegs waren. Die beiden Erwachsenen stammen aus Schleswig-Holstein.

Entwarnung gab unterdessen der Lebensmitteldiskonter Lidl: Laut internen Untersuchungen sind diese Woche zwar in Tirol und Vorarlberg spanische Salatgurken verkauft worden, diese stammen laut Lidl aber nicht aus den verseuchten Chargen. Das Gemüse wurde dennoch bereits am Donnerstag aus dem Handel genommen, die Kunden wurden informiert.

In Deutschland wurden unterdessen weitere Todesfälle bekannt. Mittlerweile werden sechs Tote dem EHEC-Keim zugerechnet. Mittlerweile sind auch in allen Bundesländern Menschen am gefährlichen Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) erkrankt. Sie wurden mit dem Durchfall-Bakterium EHEC infiziert; der schwere Verlauf der Infektion wird HUS genannt. Dabei können giftige Stoffwechselprodukte des Bakteriums zu Nierenschäden führen. In Dänemark und Schweden sind bis Freitag 32 EHEC-Krankheitsfälle nachgewiesen worden, wie die Gesundheitsbehörden in Kopenhagen und Stockholm mitteilten. Alle Betroffenen seien zuvor in Deutschland auf Reisen gewesen.

Das Hamburger Hygiene-Institut hatte den Darmkeim am Donnerstag auf drei Salatgurken aus Spanien gefunden. Gemäß der EU-Kommission stammen die Gurken von Unternehmen aus Malaga und Almeria in der südspanischen Region Andalusien. Die Behörden in Andalusien hätten sich mit zwei Agrarbetrieben in Verbindung gesetzt, aus denen die Gurken ersten Erkenntnissen zufolge stammen, hieß es aus dem spanischen Gesundheitsministerium in Madrid. Betont wurde dort, dass aber nicht auszuschließen sei, dass die Gurken bei Transport und Handhabe in Deutschland verunreinigt wurden. Die beiden Betriebe befinden sich in den Provinzen Malaga und Almeria.

Einer der Landwirte setzte sich umgehend gegen die Vorwürfe zur Wehr. Die beanstandete Gurke gehöre zu einer Lieferung, die auf dem Hamburger Großmarkt auf den Boden gefallen sei. Sie sei vielleicht dabei verunreinigt worden, hieß es bei Frunet Bio in Algarrobo (Malaga). In einer Reaktion sagte Hans Joachim Conrad, Vorstandschef der Verwaltungsgenossenschaft des Hamburger Großmarktes, am Freitag: "Wir treiben hier keine Kuhherden durch die Hallen."

EHEC-Keime sind eine besonders gefährliche Form des Darmbakteriums Escherichia coli. Der Erreger ist vor allem deshalb gefährlich, weil nach Expertenangaben rund zehn bis 100 der winzigen Bakterien ausreichen, um den Durchfall auszulösen. Bei anderen Infektionen sind um ein Vielfaches mehr Erreger nötig, damit es zur Erkrankung kommt. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) ist eine schwere EHEC-Verlaufsform, bei der giftige Stoffwechselprodukte des Bakteriums zu Nierenschäden führen können.

Spanien schloss laut EU zwei Betriebe mit Verdacht

Spanische Behörden haben nach Auskunft der EU-Kommission vorübergehend zwei Betriebe im spanischen Almeria und Malaga geschlossen. Sie sollen für die Verbreitung der mit den gefährlichen EHEC-Keimen befallenen Gurken in Deutschland verantwortlich sein, teilte die Kommission am Freitagabend in Brüssel mit. Boden-, Wasser und Produktproben seien genommen worden. Die Untersuchungen dauern an. Zudem werde eine weitere mögliche Quelle - Gurken aus den Niederlanden oder aus Dänemark - untersucht.

Eine Lieferung spanischer Gurken sei aus Deutschland nach Dänemark gegangen, teilte die Kommission mit. Dänemark habe die Gurken bereits vom Markt genommen. Schweden habe bisher 25 nachgewiesene EHEC-Erkrankungen, Dänemark sieben, Großbritannien drei, Österreich zwei und die Niederlande eine.