Erstellt am 04. Dezember 2012, 11:41

Ehemalige Assistentinnen Strassers im Zeugenstand. Mit der Einvernahme ehemaliger Assistentinnen von Ernst Strasser ist am Dienstag der Prozess gegen Ex-Innenminister und ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament weitergegangen.

Die 31-jährige Daniela K. - die bis zu Strassers Rücktritt als EU-Mandatar dessen Büro in Wien geleitet hatte - sagte aus, dass Strasser schon 2010 den Verdacht geäußert habe, von einem Geheimdienst abgehört zu werden. Daniela K. war mit dem Namen Bergman & Lynch vertraut. Diese angebliche Firma schoben die Aufdeckungs-Journalisten Jonathan Calvert und Claire Newell vor, die laut Anklage als vermeintliche Lobbyisten Strasser für die Einflussnahme auf die EU-Gesetzgebung Geld in Aussicht gestellt hatten. Im Herbst 2010 habe Strasser erstmals erwähnt, dass er seiner Vermutung nach von einem Geheimdienst überwacht werde. Als Richter Georg Olschak der Zeugin vorhielt, sie habe bei einer Einvernahme im Ermittlungsverfahren angegeben, ihr Ex-Chef habe den Agenten-Verdacht erst nach Auffliegen der Bestechungs-Affäre geäußert, meinte Daniela K., sie könne sich nicht mehr genau erinnern.

Katarin W. (29), zunächst Praktikantin und später Assistentin von Ernst Strasser in Brüssel und Straßburg, erklärte im Anschluss, ihr Chef habe den Geheimdienst-Verdacht ins Spiel gebracht und vermutet, sein Büro werde abgehört. Dass Bergman & Lynch eine Scheinfirma war, habe sie erst mitbekommen, als die "Sunday Times" die Tarnung auffliegen ließ.

Die frühere Strasser-Assistentin hatte hinsichtlich einer Anleger-Entschädigungsschutz-Richtlinie auf Geheiß ihres Chefs bei Mitarbeitern von Strassers Fraktionskollegen Othmar Karas und Helga Ranner recherchiert und sich erkundigt, ob man noch einen Abänderungsantrag einbringen könne. Einen solchen sollen sich laut Anklage die vermeintlichen Lobbyisten gewünscht haben, die Strasser ein jährliches Honorar von 100.000 Euro für eine Einflussnahme auf die EU-Gesetzgebung in Aussicht stellten.

Da ihr aus dem Büro Ranner beschieden wurde, die dafür vorgesehene Frist sei bereits abgelaufen, hatte sich die Assistentin per Email mit der Bemerkung "Denkst du, dass man da noch etwas retten kann?" an eine Kollegin im Büro Karas gewandt. Richter Georg Olschak nannte das nun "eine hartnäckige Korrespondenz". "Ich habe mir nichts gedacht dabei", erwiderte die Zeugin.

Die 31-jährige Kerstin M., ebenfalls eine vormalige Assistentin Strassers im EU-Parlament, sagte im Zeugenstand, dass sie den Geheimdienst-Verdacht, von dem Strasser erzählte, nicht ernst nahm.