Erstellt am 27. November 2015, 14:06

von APA/Red

Einbrüche in Zahnarzt-Praxen in Ostösterreich. Einbrüche in Zahnarztpraxen in Ostösterreich haben einen 44-jährigen Serben in Eisenstadt auf die Anklagebank gebracht.

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Die Staatsanwaltschaft warf ihm drei Delikte in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland mit einem Gesamtschaden von rund 190.000 Euro vor. Ein Schöffensenat verurteilte den Mann am Freitag zu dreieinhalb Jahren Haft, das Urteil ist rechtskräftig.

In Ordinationen von Zahnärzten eingedrungen

Der Beschuldigte war laut Anklage Anfang März dieses Jahres in eine Praxis in Fischamend (Bezirk Wien-Umgebung) und in der Nacht von 27. auf 28. März in die Ordinationen von Zahnärzten in Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) und in Wien-Liesing eingedrungen, indem er Fenster aufgezwängt oder eingeschlagen hatte. Zum Diebesgut gehörten unter anderem zahlreiche Dentistenwerkzeuge, zahnärztliche Elektrogeräte und Verbrauchsmaterial.

Zu den Taten in Fischamend und Parndorf zeigte sich der 44-Jährige geständig. Mit dem Einbruch in die Wiener Praxis, der mit nur geringem Zeitabstand zum Coup im Burgenland verübt worden war, wollte er jedoch nichts zu tun haben. An dem Tag sei er von Serbien über Ungarn ins Burgenland gefahren. In Parndorf habe er einen Zwischenstopp eingelegt, im Ort sei ihm das Zahnarzt-Schild aufgefallen, gab der Mann zu Protokoll. Nach dem Einbruch sei er, chauffiert von einem Komplizen, da er selbst keinen Führerschein besitze, wieder nach Serbien zurückgefahren. Am Rückweg sei an einer Tankstelle in Ungarn die Übergabe des Diebesgutes, für das er 5.000 Euro bekommen habe, erfolgt.

Angeklagte: "Ich war nie in Wien"

Auf der Anreise und bei der Heimfahrt habe man jeweils eine rund eineinhalbstündige Pause eingelegt, erzählte der Angeklagte. Das Zeit-Weg-Diagramm eines Ermittlers ließ ihn jedoch auch für den Einbruch in Wien als Täter infrage kommen. "Vom Zeitlichen und vom Örtlichen ist es möglich", meinte die Vorsitzende des Schöffensenats, Birgit Falb. "Ich war nie in Wien", antwortete der 44-Jährige. Staatsanwalt Roland Koch hielt ihm vor, dass der Modus Operandi bei allen drei Coups übereinstimme: Unter anderem waren bei den zahnärztlichen Behandlungseinheiten jeweils die gleichen Schläuche abgetrennt worden, um die Diebstähle zu begehen.

Der Verteidiger des 44-Jährigen schilderte dem Gericht die traurige finanzielle Lage, in der sich sein Mandant befunden hätte. Mit den Zahnarzt-Einbrüchen habe er die internationale Tenniskarriere seiner Tochter finanzieren wollen. 500 Euro monatlich, die er als Schlosser und als Fußballtrainer verdiente, hätten dazu bei weitem nicht ausgereicht. Außerdem habe der Angeklagte Schulden begleichen wollen.

Im Prozess kam auch eine 2012 in der Schweiz verhängte Strafe zur Sprache. Damals war der 44-Jährige wegen 40-fachen Einbruchs zu sechs Jahren verurteilt und im Vorjahr bedingt entlassen worden.

Mann in allen drei Fakten schuldig gesprochen

"Der hat genau gewusst, was er macht. Das ist ein Profi und als solcher muss er auch behandelt werden", sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer und meinte, die Strafe werde "sich im Bereich zwischen drei und fünf Jahren abspielen müssen." Der Verteidiger bat um ein mildes Urteil. Als mildernd werde auch zu berücksichtigen sein, dass sein Mandant auch zur Aufklärung der Tat beigetragen habe, indem er einen Komplizen beschrieben habe.

Er bitte alle Zahnärzte um Entschuldigung, sagte der 44-Jährige zum Schluss unter Tränen: "Ich bitte auch das hohe Gericht, mir zu verzeihen, dass ich diesen Fehler gemacht habe." Der Schöffensenat sprach den Mann in allen drei Fakten schuldig. Die Vorsitzende ordnete auch den Verfall von 95.500 Euro an. Einer der Zahnärzte, der 55.000 Euro Schadenersatz verlangt hatte, wurde mit seiner Forderung auf den Zivilrechtsweg verwiesen.