Erstellt am 10. Juni 2011, 10:46

Eissalonbesitzerin in Udine verhaftet. Knalleffekt im Fall der Wiener Kellerleichen: Italienische Polizeieinheiten haben Freitag früh die gesuchte Eissalonbesitzerin Goidsargi Estibaliz C. im Zentrum von Udine verhaftet.

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Der Fall der Kellerleichen von Wien-Meidling rückt seiner Klärung näher: Die seit der Entdeckung der Toten in ihrem Kellerabteil in der Oswaldgasse gesuchte Besitzerin des Eissalons "Schleckeria", die Spanierin Goidsargi Estibaliz C., ist Freitag früh in Udine verhaftet worden. Einen diesbezüglichen Bericht der italienischen Nachrichtenagentur ANSA bestätigte die Polizei in Udine am Vormittag.

Gegen Estibaliz C. bestand nach dem Fund von Teilen der zwei einbetonierter Leichen in ihrem Kellerabteil ein EU-Haftbefehl. Die Frau hatte unmittelbar nach der Entdeckung der Toten Anfang dieser Woche die Flucht ergriffen. Auch deren Umstände wurden am Freitag klarer: Ein Taxifahrer hatte die 32-Jährige am vergangenen Dienstag bis in den Raum Udine gebracht.

Dort übernachtete sie zunächst in Cavazzo Carnico bei Tolmezzo in einem Hotel, berichtete die italienische Polizei. Danach war sie mit dem Zug nach Udine gefahren. Dort hatte sie einen jungen Mann kennengelernt, der ihr Unterkunft in seiner Wohnung angeboten hatte. Ihr Quartiergeber schöpfte jedoch wegen des Verhaltens der Spanierin Verdacht. "Sie sprach von Selbstmord, der Mann hat Angst bekommen und sich bei uns gemeldet", so die Exekutive.

Um 7.30 Uhr betraten mobile Einheiten der Exekutive die in der Nähe des Bahnhofs gelegene Wohnung und trafen auf die Gesuchte. "Sie hat keinen Widerstand geleistet. Sie hatte den Pass bei sich, daher konnten wir sie leicht identifizieren", berichtete die italienische Polizei. Die Spanierin werde in der Polizeizentrale in Udine befragt und danach ins Gefängnis von Triest überführt. Ein Untersuchungsrichter in Triest werde über die Auslieferung der Frau entscheiden.

Dass sich Estibaliz C. im Raum Udine aufhalten dürfte, war den Ermittlern bereits seit zumindest zwei Tagen, nicht zuletzt durch die Aussage des Taxilenkers, bekannt. Die Polizei hatte bereits in den vergangenen Tagen mehrere Hotels in der Region nach der Frau durchsucht.

Auch in Wien ermittelte die Polizei weiter: Seit Donnerstag ist bekannt, dass es sich bei einer der erschossenen, zerstückelten und einbetonierten Leichen um ihren seit November des Vorjahres vermissten Ex-Freund Manfred H. aus Oberösterreich handelt. Vom zweiten Toten wurde bisher nur der Kopf gefunden, seine Identität war unklar.

Allerdings verdichteten sich die Anzeichen am Freitag dahingehend, dass diese Leiche der deutsche Ex-Mann der 32-Jährigen sein könnte. Polizeisprecher Roman Hahslinger bestätigte das zunächst aber nicht. Die Eissalonbesitzerin soll erzählt haben, dass ihr Gemahl untergetaucht und mit Mitgliedern der Sekte Hare Krishna nach Indien gereist sein soll.

Im Raum stand Freitagmittag, dass die Ermittler des Wiener Landeskriminalamtes bald nach Udine bzw. Triest fahren sollten, um Estibaliz C. persönlich einzuvernehmen. Zahlreiche Fragen waren weiter offen: So blieb vorläufig ungeklärt, wo die anderen Teile des zweiten, wesentlich früher erschossenen Toten aufbewahrt sind. Die Polizei durchsuchte weitere Örtlichkeiten, zu denen die 32-Jährige einen Bezug hat.

Mittlerweile ist auch klarer, dass Estibaliz C. wohl nicht allein für den Tod der beiden Männer verantwortlich wäre, wenn sie überhaupt die Täterin ist. Immer stärker rückte für die Ermittler auch die Frage nach möglichen Komplizen in den Vordergrund. Und nicht zuletzt: Was ist das Motiv in dem Fall?