Erstellt am 03. September 2012, 13:17

Elsner ließ BAWAG-Prozess wieder platzen. Die heutige Verhandlung im zweiten BAWAG-Strafprozess war schon nach fünf Minuten wieder zu Ende. Der wieder einmal geladene Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner war neuerlich nicht erschienen. Elsner halte sich in Bad Reichenhall in Bayern auf, er habe neuerlich Flüssigkeit in der Lunge und müsse drei Wochen lang behandelt werden, sagte Elsners Anwalt Andreas Stranzinger.

Richter Christian Böhm vertagte die Verhandlung auf Dienstag. In einem kurzen Wortwechsel mit Elsners Anwälten zeigte sich der Richter verstimmt, dass der Angeklagte der Ladung neuerlich nicht Folge leistete. Elsner ist bisher kein einziges Mal zum zweiten BAWAG-Prozess vor Gericht erschienen. Der heutige 17. Verhandlungstag wäre alleine dem Ex-BAWAG-Chef gewidmet gewesen.

Die Einrichtung, wo sich Elsner aufhalte, werbe im Internet mit ihren Wellnesseinrichtungen, ätzte der Richter. "Das ist kein Hotel, sondern eine Kuranstalt", konterte Elsners Anwalt Jürgen Stephan Mertens. Letzte Nacht habe der herzkranke 77-Jährige einen Angina-Pectoris-Anfall erlitten. Anwalt Stranzinger legte zwei ärztliche Bescheinigungen vor.

Für Dienstag sind nun alle Angeklagten geladen, auch Elsner soll vor Gericht erscheinen. Laut seinen Anwälten wird Elsner aber auch am Dienstag aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen.

Die anderen Angeklagten, darunter der Spekulant Wolfgang Flöttl, die Ex-BAWAG-Vorstände Hubert Kreuch, Josef Schwarzecker, Christian Büttner und Peter Nakowitz, nutzten bisher die Abwesenheit Elsners, um unwidersprochen ihn als Mastermind der Vertuschung der Spekulationsverluste darzustellen. Der frühere Generaldirektor der damaligen Gewerkschaftsbank habe keinen Widerspruch geduldet, so seine früheren Vorstandskollegen unisono.

Dass Elsner überhaupt je zum zweiten BAWAG-Prozess kommt, wird immer unwahrscheinlicher. Elsner ist ja schon im ersten Prozess rechtskräftig wegen Untreue zur Höchststrafe von zehn Jahren verurteilt, wovon er viereinhalb Jahre abgesessen hat, bis er im Sommer 2011 aus gesundheitlichen Gründen für haftunfähig erklärt worden war und entlassen wurde. Im zweiten BAWAG-Strafprozess ist Elsner nur wegen einer Subsidiarklage der BAWAG mitangeklagt.