Erstellt am 04. Juli 2011, 16:47

Ermittler 2010 "ohne Hund" in Dietmannsdorf. Im Zuge der Erhebungen im Fall Julia Kührer sind im Mai 2010 "drei Ermittler" in Anwesenheit des am Sonntag enthafteten Michael K. auf dem Anwesen in Dietmannsdorf 3 in der Gemeinde Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn) gewesen.

Das hat das Bundeskriminalamt (BK) am Montag bestätigt. Die Beamten seien "ohne Hund" und "ohne technische Geräte" gekommen, sagte BK-Sprecherin Silvia Strasser auf Anfrage. Auf dem Grundstück wurden vergangenen Donnerstagabend die sterblichen Überreste des vor fünf Jahren verschwundenen Mädchens aus Pulkau gefunden.

Den mehr als 60 Ordner umfassenden Akt im Fall Kührer füllen laut einer BK-Aussendung auch insgesamt 254 Hinweise aus der Bevölkerung. Einer davon sei auf Michael K. gerichtet gewesen, der - wie BK-Ermittlungsleiter Ernst Geiger bereits am Freitag mitgeteilt hatte - "als Zeuge und Auskunftsperson insgesamt viermal befragt wurde". Das BK weiter: "Im Mai 2010 waren Ermittler in dessen Anwesenheit auf seinem Anwesen in Dietmannsdorf Nr. 3. Damals lagen aber keine Verdachtsmomente für eine Hausdurchsuchung vor. Der Verfügungsberechtigte der Liegenschaft Dietmannsdorf 3, Michael K., hat bei den jeweils stattgefundenen Befragungen auf die örtlichen Jugendlichen aus dem Freundeskreis von Julia Kührer als mögliche Tatbeteiligte verwiesen."

Der Schwerpunkt der Ermittlungen liegt derzeit auf der Spurensicherung bzw. der Tatortarbeit. Die sterblichen Überreste des Mädchens werden laut BK nach wie vor von einem gerichtsmedizinischen Sachverständigen untersucht. Das Ergebnis werde "bis Ende der Woche" erwartet. Es gehe um die Feststellung einer möglichen Todesursache bzw. eines Todeszeitpunktes, "um so neue Spuren im Fall Julia Kührer zu verfolgen".

Der Freitag früh als Verdächtiger festgenommene und am Sonntag enthaftete Michael K. sagte zum ORF-Radio "Ö3", er hoffe, dass der Täter gefunden werde, "damit ich meine Ruhe habe". "Mein einziger Fehler, den ich begangen habe, ist, dass ich mein Haustor - das Eingangstor zum Grundstück - nicht abgesperrt habe. Jeder, der dort wohnt und vorbeigekommen ist, konnte hinein." Zum "Kurier" (Montag-Ausgabe) sagte der Wiener auf die Frage, warum er keinen Anwalt genommen habe: "Ich habe nichts zu verbergen." Im Gespräch mit der Tageszeitung merkte er auch an, dass bereits "vor zwei Jahren" Beamte "da" gewesen seien. "Mit einem Hund", habe seine Lebensgefährtin ergänzt. "Sie können sich gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin", wurde der Wiener nach seiner Enthaftung in "Österreich" (Montag-Ausgabe) zitiert.

Der ehemalige Betreiber einer Videothek in Pulkau hatte laut BK bereits bei den Einvernahmen im Landeskriminalamt in St. Pölten wiederholt betont, mit einem Verbrechen an Julia Kührer - die er laut Medienberichten vom Montag gekannt hat - nichts zu tun zu haben. Er sagte dabei auch, dass die Leiche auf dem Grundstück in Dietmannsdorf abgelegt worden sei.

Friedrich Köhl, Sprecher der Staatsanwaltschaft Korneuburg, bezeichnete die Enthaftung des 50-Jährigen als Entscheidung eines Richters, die zu akzeptieren sei. Die "Verneinung eines dringenden Tatverdachts" sei jedoch "keine völlige Verdachtsentkräftung". Die Staatsanwaltschaft hatte am Sonntag die Verhängung der U-Haft wegen Mordverdachts und wegen des Vorliegens von Flucht- und Verdunkelungsgefahr beantragt - letztere bestehe, weil Mittäter nicht ausgeschlossen werden könnten. Am Nachmittag gab es die Wende: Der Wiener wurde nach der Vernehmung durch den zuständigen Richter enthaftet. In Dietmannsdorf 3 waren die polizeilichen Erhebungen am Montag weiterhin im Gang.