Erstellt am 13. März 2013, 13:28

Eurofinanz - Betrugsprozess in Wiener Neustadt geht ins Finale. Der Wiener Neustädter "Eurofinanz"-Prozess um Anlegerbetrug biegt - nach knapp einem Jahr - in die Zielgerade

Am Freitag, 22. März, stehen Urteile gegen 14 der 15 Beschuldigten bevor. Das Verfahren gegen den erstangeklagten "Hauptakteur und Chef" des Firmenkonglomerats, durch das 900 Anleger 37 Millionen Euro verloren haben sollen, ist heute, Mittwoch, ausgeschieden worden: Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte dem schwer kranken 72-Jährigen Verhandlungsunfähigkeit.

Der Akademiker war schon längere Zeit nicht mehr auf der Anklagebank gesessen. Er war während des seit 11. April 2012 laufenden Verfahrens an einem Gehirntumor erkrankt. Zunächst hatte sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz keine Einwände dagegen, dass in Abwesenheit seines Mandanten weiterverhandelt wurde. Da sich der Zustand des 72-Jährigen aber zunehmend verschlechterte, beauftragte Richterin Christina Kuzmany eine neurologische bzw. psychiatrische Untersuchung - die Befundung des Facharztes wurde nun vorgelegt. "Aufgrund der Progredienz des Leidens des Angeklagten ist keine Verhandlungsfähigkeit" gewährleistet, der 72-Jährige sei "nicht in der Lage, komplexere Sachverhalte zu erfassen", er könne "sich nicht sinnvoll rechtfertigen oder gar Fragen stellen", kam der Gutachter zum Schluss.

Was heißt das für die anderen Angeklagten, wenn der vom Staatsanwalt als "Mastermind" bezeichnete Beschuldigte nicht (mehr) zur Rechenschaft gezogen werden kann? Anwalt Blaschitz meinte dazu: "Das ist nicht unbedingt ein Vorteil für die Mitangeklagten. Es könnte sein, dass sie eines Besseren belehrt werden."

65 Verhandlungstage sind vorüber. Übermorgen, Freitag, beginnen die Plädoyers. Kommenden Dienstag sind ebenfalls Schlussvorträge eingeplant.

Zu Prozessbeginn hatten sich die Angeklagten, großteils Geschäftsführer der vom Erstangeklagten gegründeten Unternehmen, nicht schuldig bekannt. Laut Anklage wurden 900 Personen geschädigt, die in atypisch stille Beteiligungen an angeblich wachstumsstarken, innovativen Unternehmen - vor allem in der IT-Branche - investiert hatten. Anfangsverluste waren aus steuerlichen Gründen gewünscht, Gewinne stellten sich allerdings nicht ein. "Wenn eine Luftblase zerplatzt, dann bleibt nichts übrig. Egal, wie schön und groß sie auch gewesen sein mag", hatte Staatsanwalt Wolfgang Handler den Verfahrensgegenstand erklärt. Die Beschuldigten hätten "Seifenblasen erzeugt und solange damit jongliert, bis sie zerplatzt sind."