Erstellt am 31. Januar 2011, 15:28

Evakuierung von Österreichern gestartet. Das Außenministerium hat am Montag eine Evakuierungsaktion für die vor dem Chaos in Ägypten flüchtenden Österreicher gestartet.

Drei Flugzeuge mit einer Kapazität für 419 Passagiere, darunter eine AUA-Sondermaschine und eine Transportmaschine des Bundesheeres, sollten noch am Montagabend aus Kairo zurückkehren. Laut dem Außenamt wollen etwa 300 Österreicher umgehend aus Kairo in ihre Heimat zurückkehren. Das Verkehrsbüro sagte indes drei Gruppenreisen nach Kairo und an den Nil ab.

Die AUA stellte in Absprache mit dem Außenministerium eine Boeing 737 mit 182 Sitzplätzen bereit, die am Nachmittag in Wien-Schwechat abheben sollte. Sie sollte um 22.55 Uhr wieder in der österreichischen Hauptstadt ankommen. Bereits für 19.10 Uhr war die Ankunft des AUA-Linienflugs aus Kairo geplant, der am Vormittag in die ägyptische Hauptstadt abgehoben hatte. Diese Maschine hat ebenfalls eine Kapazität von 182 Passagieren. Die Herkules C130, die ebenfalls seit dem Nachmittag nach Kairo unterwegs war, sollte 55 Menschen Platz bieten.

Die zusätzlichen Flüge seien eine Reaktion auf vermehrte Anfragen von Bürgern und Angehörigen beim Außenministerium und dienten dazu, "den Druck zu nehmen", sagte Ministeriumssprecher Peter Launsky-Tieffenthal. "Etwa 300 wollen heraus", antwortete Launsky-Tieffenthal auf die Frage, um wie viele Österreicher es derzeit gehe. 100 bis 150 Österreicher befinden sich bereits am Kairoer Flughafen, die anderen seien auf dem Weg dorthin. Ein Unterstützungsteam der Botschaft in Kairo leiste den Landsleuten an Ort und Stelle Hilfe.

Wegen der prekären Versorgungslage am Flughafen wurden die Sondermaschinen auch mit Mineralwasser und Nahrungsmitteln beladen, die an die festsitzenden Österreicher verteilt werden sollen.

Am Flughafen Kairo herrschte Augenzeugenberichten zufolge Chaos. Eine Angehörige zweier Österreicher berichtete der APA, dass diese seit Samstagnachmittag auf dem Flughafen festsäßen und von den Soldaten "pausenlos von einem Raum in den anderen" gebracht werden. Sie seien "körperlich und seelisch am Ende". ORF-Korrespondentin Nadja Bernhard wurde mit ihrem Kamerateam vorübergehend am Flughafen festgenommen, und erst nach der Zusicherung wieder freigelassen, den vor dem "logistischen Kollaps" stehenden Flughafen wieder zu verlassen. "Hier gibt es offenbar von ganz oben die strikte Anweisung, diese Massenflucht aus Ägypten nicht zu dokumentieren", erklärte Bernhard in der "ZiB" um 13.00 Uhr.

Die Ägypten-Krise schlägt sich indes auch in Flug- und Reise-Stornierungen nieder. AUA-Sprecher Martin Hehemann berichtete , die AUA-Maschine um 10.20 Uhr nach Kairo sei nur zu 20 Prozent ausgelastet gewesen. Ein Flyniki-Flug nach Sharm el-Sheikh in der Früh war nur zu zehn Prozent besetzt. Allerdings sagte Flyniki-Sprecherin Milena Platzer, dass Passagiere, die sich in Ägypten aufhielten, nicht umgebucht hätten.

Birgit Reitbauer von der Verkehrsbüro Group gab die Absage von drei Gruppenreisen bekannt, die am 5. und 14. Februar starten sollten. 50 bis 60 Urlauber seien betroffen. Die Studienreisen hätten aus einer Besichtigung von Kairo und einer Nil-Kreuzfahrt bestehen sollen.

Bei Badeurlauben am Roten Meer seien bisher aber keine Absagen geplant. Auch Stornierungen dürfte es noch nicht in größerem Ausmaß gegeben haben, sagte Reitbauer. "Im Prinzip warten die Leute noch ab", sagte sie mit Blick auf die am Samstag beginnenden Semesterferien. Mit dem Festhalten an Ägypten-Urlaubsplänen setzen sich Reisende über eine Warnung des Außenministeriums vom Freitag hinweg. Außenminister Michael Spindelegger betonte am Montag, es sei derzeit "nicht die richtige Zeit, nach Ägypten auf Ferien zu gehen".

   In Deutschland riefen die großen Reiseveranstalter ihre Kunden am Montag auf, Reisen nach Ägypten zu überdenken. FTI Group sagte alle Reisen und Ausflüge nach Kairo ab, ebenso wie der große kirchliche Reiseveranstalter "Biblische Reisen".

   Auch zahlreiche andere Staaten starteten am heutigen Montag großangelegte Evakuierungsaktionen für ihre Bürger. Die USA wollten noch am Montag die ersten Bürger mit Chartermaschinen an "in sicherere Orte in Europa" bringen, wie die Nachrichtenagentur dpa meldete. China schickte zwei Maschinen, um 500 Menschen vom Flughafen Kairo in die Heimat zu bringen. Japan ließ 500 Landsleute in Kairo einsammeln und nach Rom bringen, 300 Inder wurden von der Regierung in Neu-Delhi ausgeflogen. Das griechische Außenministerium erklärte, mindestens zwei Militärmaschinen stünden bereit. Zwei Lufthansa-Maschinen mit deutschen Heimkehrern sollten am späten Nachmittag in Frankfurt/Main landen.