Erstellt am 19. Juni 2012, 18:31

Ex-BAWAG-Chef Zwettler sagte bei ÖGB-Prozess aus. Beim Schadenersatzprozess der zum ÖGB gehörenden AVB Holding GmbH gegen insgesamt sieben Beklagte, darunter Ex-ÖGB-Chef Verzetnitsch und Ex-BAWAG-Chef Elsner am Handelsgericht Wien hat am Dienstag der ebenfalls beklagte Ex-BAWAG-Chef Zwettler ausgesagt. Er schilderte dem Richtersenat die Vorbereitung der Fusion der BAWAG mit ihrer Tochter P.S.K., die im Oktober 2005 umgesetzt wurde.

Durch die Fusion sieht sich die AVB um rund 280 Millionen Euro aufgrund der gewählten Konstruktion der Verschmelzung geschädigt, weshalb sie von den sieben Beklagten schon seit Jahren insgesamt zehn Millionen Euro an Schadenersatz fordert.

Um die Verschmelzung der BAWAG mit der P.S.K. zu verstehen, müsse man in die Jahre 2003/04 zurückblicken, sagte Zwettler aus. Damals hielt die ÖGB-Gruppe einen 56-Prozent-Anteil, die BayernLB 46 Prozent. Es habe Übernahmeversuche seitens der Bayern gegeben, weshalb der ÖGB unter Federführung von Ex-BAWAG-Aufsichtsratspräsident und ÖGB-Finanzchef Günter Weninger Gespräche aufnahm, "um das Aktionärsbild zu bereinigen".

2004 ist es Zwettlers Erinnerung zufolge dann konkret geworden: Weninger habe den fast 50-Prozent-Anteil von den Bayern um rund 500 Millionen Euro erworben. Damit sei die gesamte BAWAG etwas über eine Milliarde Euro wert gewesen. "Weninger hat gut verhandelt", denn eineinhalb Jahre später wurde die Bank um das Dreifache (an den US-Fonds Cerberus, Anm. ) verkauft, bemerkte Zwettler.

Der ebenfalls beklagte Ex-BAWAG-Vorstand Peter Nakowitz sagte aus, er habe zwar nie mit Verzetnitsch gesprochen, aber für ihn sei es klar gewesen, dass die BAWAG-Eigentümer damals hinter dem Plan gestanden wären, wie man die Verluste des Spekulanten Wolfgang Flöttl lösen sollte. Die Geheimhaltung darüber habe bis in die Jahre 2005/06 hineingereicht.

Es wurde befürchtet, dass es bei Publikwerden der Verluste "zu einem Run auf die Bank" gekommen wäre, was auch die Eigentümer geschädigt hätte, so Nakowitz. Dies sei kein vorgeschobenes Argument, das man sich im Nachhinein ausgedacht hatte. Die Gesprächs-Achse sei damals vom ÖGB-Präsidenten zum BAWAG-Aufsichtsratspräsidenten und dann zum BAWAG-Generaldirektor verlaufen.