Erstellt am 15. März 2012, 12:21

Fall Kampusch - StA überprüft Bruder von Kampusch-Ermittler. "Wir prüfen, ob ein Ermittlungsverfahren wegen Anstiftung zum Amtsmissbrauch gegen ihn eingeleitet wird." Das sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, Ernst Habitzl.

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Gemeint ist der Bruder von Oberst Franz Kröll, des durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Ermittlers im Fall Natascha Kampusch. Hintergrund der Überprüfung sind die Privatnachforschungen eines Wiener Polizisten und FPÖ-Gemeinderats in einer niederösterreichischen Schule, um DNA-Proben eines Mädchens im Zusammenhang mit dem Fall Kampusch zu beschaffen.
 
Wie das ORF-Ö1-Morgenjournal unter Berufung auf den SMS-Verkehr des mittlerweile suspendierten Wiener Beamten berichtete, soll der Bruder des verstorbenen Kampusch-Ermittlers den Polizisten mit den Erhebungen in der Schule beauftragt haben. Mit dem DNA-Material sollte das durch nichts bewiesene Gerücht überprüft werden, Kampusch habe in ihrer acht Jahre dauernden Gefangenschaft ein Kind zur Welt gebracht. Laut "Ö1" geht aus den SMS auch hervor, dass der Bruder von Franz Kröll dem Polizisten eine fünfstellige Summe in Aussicht gestellt haben soll. Nach wie vor ist der Angehörige überzeugt, dass Franz Kröll ermordet wurde.
 
Der Bruder soll dem Radiobericht zufolge bereits zugegeben haben, Auftraggeber für die Nachforschungen gewesen zu sein. Der Polizist habe in der Schule nichts verheimlicht, deshalb sei das auch kein Amtsmissbrauch gewesen. Aus den SMS geht laut "Ö1" auch hervor, dass der Wiener Polizist den ehemaligen OGH-Präsidenten Johann Rzeszut als Auftraggeber vorgeschoben habe. "Habe mir gedacht, Dr. Rzeszut greifen die Medien nicht an", soll der suspendierte Beamte geschrieben haben. Das bestätigte indirekt Ernst Habitzl: "Es gibt kein Ermittlungsverfahren gegen Dr. Rzeszut, weil kein Anfangsverdacht gegen ihn gegeben ist."