Erstellt am 26. Mai 2011, 11:42

Fall Kampusch - Zeugeneinvernahme von Rzeszut in Innsbruck begonnen. Im Ermittlungsverfahren gegen fünf Staatsanwälte wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs im Fall Natascha Kampusch haben am Donnerstag die Einvernahmen am Innsbrucker Landesgericht begonnen.

Als erster war laut Medienberichten der pensionierte OGH-Präsident Johann Rzeszut an der Reihe. Beim Landesgericht wollte das zunächst niemand bestätigen. Sowohl der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hansjörg Mayr, als auch Landesgerichtssprecher Günther Böhler verwiesen gegenüber der APA auf das laufende Ermittlungsverfahren.

Weitere Einvernahmen seien für morgen, Freitag, und den 6. und 7. Juni geplant. Neben Rzeszut sei auch der früherer Präsident des österreichischen Verfassungsgerichtshofs (VfGH), Ludwig Adamovich, geladen.

Es soll geklärt werden, ob es im Fall Kampusch zu schuldhaften Pflichtverletzungen durch Staatsanwälte gekommen ist. Um den bloßen Anschein einer Voreingenommenheit der Staatsanwaltschaft Innsbruck zu vermeiden, wurde das Ermittlungsverfahren auf eine gerichtliche Basis gestellt. Die Vernehmungen sollen von einem unabhängigen Haft- und Rechtsschutzrichter durchgeführt werden.

Aufgabe der Staatsanwaltschaft Innsbruck sei es nicht, das Kampusch-Verfahren neu aufzurollen, hatte Mayr bereits in der Vergangenheit erklärt. Ob das Verfahren am Ende Auswirkungen auf eine allfällige Wiederaufnahme der Ermittlungen im Entführungsfall selbst haben könnte, liege nicht im Zuständigkeitsbereich der Innsbrucker Anklagebehörde, betonte Mayr, sondern wiederum bei der Staatsanwaltschaft Wien und der ihr vorgesetzten Behörden.

Am 2. März 1998 wurde Natascha Kampusch auf ihrem Schulweg in Wien von Wolfgang Priklopil entführt. Rund achteinhalb Jahre wurde sie im Keller des Mannes in einem Haus im niederösterreichischen Strasshof gefangen gehalten, bevor sie als junge Frau in einem unbeobachteten Moment flüchten konnte. Ihr Verschwinden zählt zu den spektakulärsten Fällen der Kriminalgeschichte in Europa. Über kaum einen anderen Kriminalfall gibt es so viele Gerüchte. So wird nach wie darüber spekuliert, ob Priklopil tatsächlich ein Einzeltäter war, wie alle bisherigen Ermittlungen ergeben haben, und ob Kinderpornografie eine Rolle spielte.