Erstellt am 06. Juli 2011, 13:14

Fall Kührer: Beschwerde nach Enthaftung. Der Kriminalfall Julia Kührer hat auch am Mittwoch weiter die Behörden beschäftigt. Die Enthaftung des 50-jährigen Wieners Michael K. - der Haftrichter sah keinen so dringenden Tatverdacht, dass eine U-Haft gerechtfertigt wäre - will man so nicht hinnehmen:

"Wir werden eine Beschwerde einbringen", kündigte Karl Schober, Leiter der Korneuburger Staatsanwaltschaft, am Mittwoch an. Man werde sich damit aber noch ein wenig Zeit lassen, verwies er auf die 14-tägige Frist dafür.

Am Fundort Dietmannsdorf 3 in der Gemeinde Zellerndorf (Bezirk Hollabrunn) war die Spurensicherung am Mitwoch weiterhin im Gang. Die Tatortgruppe sei noch vor Ort und werde dies vermutlich auch noch einige Zeit bleiben, so Schober. Es gebe zwar laufend zusätzliche Erkenntnisse, neue und wichtige Funde könne man bisher aber nicht vermelden.

Erste gerichtsmedizinische Untersuchungen zur DNA des gefundenen Skeletts werden nach wie vor am Freitag erwartet. Die Untersuchungen bezüglich der Todesursache dürften noch länger andauern. Mit weiteren Ermittlungsergebnissen - beispielsweise Spurenauswertungen - sei diese Woche auch nicht mehr zu rechnen.

Einen neuen Verdächtigen oder gar eine Festnahme gebe es bisher nicht. Auch sind nach Wissen der Anklagebehörde zurzeit keine neuerlichen, größeren Einvernahmen des 50-Jährigen geplant. Möglich sei aber natürlich, dass bei weiteren Erkenntnissen kleinere Fragen schnell abgeklärt würden.

Unklar ist nach wie vor, wie lange die Leiche des vermissten Mädchens tatsächlich in dem Erdkeller lag, betonte Schober. Dass sich Anrainer der Tageszeitung "Kurier" zufolge vor fünf Jahren an ein Feuer auf dem Grundstück erinnern wollen, wollte die Staatsanwaltschaft nicht weiter kommentieren.

Die damals 16-jährige Julia Kührer aus Pulkau im Bezirk Hollabrunn war am 27. Juni 2006 spurlos verschwunden. Am Donnerstagabend entdeckten Nachbarn - durch Zufall, wie es hieß - das Skelett des Mädchens in einem Erdkeller auf dem Grundstück Dietmannsdorf 3. Auch Überreste von Schulbüchern und einer blauen Decke wurden gefunden. Der Verfügungsberechtige über den Grund, Michael K., wurde am Freitag in Wien festgenommen, der Korneuburger Haftrichter ließ ihn am Sonntag aber wieder frei. Der Mann behauptet, die Leiche wäre von anderen auf seinem Grundstück abgelegt worden und bestreitet jeden Zusammenhang mit dem Verschwinden des Mädchens. Die Todesursache sind so wie Motiv, Täter, Tatzeitpunkt und -ort nach wie vor offen.