Erstellt am 28. Mai 2011, 06:09

Familienrichter: Prävention statt Kindesabnahmen. Die Familienrichter fordern mehr Präventionsarbeit, um die Anzahl der Kindesabnahmen zu reduzieren. Die Zahl der fremduntergebrachten Kinder ist in den letzten Jahren rasant gestiegen, betonte Doris Täubel-Weinreich, Vorsitzende der Fachgruppe Familienrecht in der Richtervereinigung.

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Ebenso im Anstieg begriffen sei auch die Zahl schwer erziehbarer Jugendlicher. Hier sei ein Ausbau moderner pädagogischer Angebote dringend notwendig.

In Österreich befinden sich derzeit 11.088 Kinder bei Pflegeeltern, in Kinderzentren oder in betreuten Wohngemeinschaften. Wie die "Salzburger Nachrichten" und die "ZiB 2" am Donnerstag berichteten, ist ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr um vier Prozent gestiegen.

Meistens müsse eine Abnahme aber nicht etwa aufgrund von Gewalt oder sexuellen Missbrauchs erfolgen, der Grund sei, so Täubel-Weinreich, weit banaler: Viele Eltern würden es nicht schaffen, die Kinder ordnungsgemäß zu versorgen, "die sind nicht böse, die sind einfach überfordert".

Handlungsbedarf sieht Täubel-Weinreich deshalb vor allem in Sachen Präventionsarbeit. Optimal wäre der Ausbau des Angebots der Jugendwohlfahrt, wo es derzeit aber zu wenig Personal gebe: "Idee wäre, dass man sehr früh ansetzt und mit den Eltern versucht das zu erarbeiten, wie Kinder versorgt werden", so Täubel-Weinreich. Dazu gehöre eine tägliche Betreuung der Eltern durch die Jugendwohlfahrt: "Weil wenn zum Beispiel ein Kind zu wenig zu essen hat oder nicht gewickelt wird, dann ist das zu wenig, wenn einmal in der Woche jemand vorbei kommt".

Mit solchen Maßnahmen würde auch die Arbeit der Familienrichter erleichtert. Sie hätten nämlich all jene Fälle, in denen einer Kindesabnahme vonseiten der Eltern nicht zugestimmt wird, zu prüfen. Solche Fälle könnten durch gezielte Präventionsarbeit aber verhindert werden, so Täubel-Weinreich. Außerdem sei die Fremdunterbringung für die Kinder generell immer nur die "zweitbeste Möglichkeit".