Erstellt am 17. Februar 2012, 17:14

Fünf Jahre Haft und Geldstrafe für Hannes Kartnig. Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig ist am Freitag zu fünf Jahren unbedingter Haft und einer Geldstrafe von 6,6 Mio. Euro verurteilt worden. Ihm wurde schwerer Betrug, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Der ehemalige Sportdirektor Heinz Schilcher muss 1,9 Mio. Euro zahlen, der Ex-Sekretär kam mit bedingter Geld- und Haftstrafe davon. Vom Vorwurf der betrügerischen Krida wurden alle freigesprochen.

Neben den drei Hauptbeteiligten wurden die fünf ehemaligen Vorstandsmitglieder zu unbedingten Geldstrafen zwischen 1,3 Mio. und 3,8 Mio. Euro verurteilt, außerdem wurden bedingte Haftstafen zwischen sechs und zwölf Monaten verhängt.

42 Verhandlungstage hatte es gebraucht, bis es in dem Verfahren rund um den Bundesligisten Sturm Graz zu einem Urteil gekommen ist. Der Schöffensenat (Vorsitz: Karl Buchgraber) hatte sich mehr als elf Monate lang zahlreiche Zeugen, Gutachter und immer wieder die Verteidiger angehört.

Hauptangeklagter war Hannes Kartnig, der laut Staatsanwalt nicht nur die Steuerhinterziehung begangen sondern auch bei den Schwarzeinnahmen und -zahlungen der Drahtzieher gewesen sein soll, war zu Beginn des Verfahrens noch guter Dinge gewesen. Zur Steuerhinterziehung war er immer geständig, "aber ich habe keinen Betrug gemacht", wie er immer wieder lautstark betonte.

Der ehemalige Sturm-Sekretär hatte Kartnig belastet und angegeben, der damalige Präsident habe angeordnet, Eintrittskarten schwarz zu verkaufen. Dadurch wurden sowohl die Bundesliga als auch der steirische Fußballverband geschädigt, da sie durch die falsche Abrechnung weniger an Abgaben für die einzelnen Spiele erhielten. Doch Kartnig hatte seinerseits die Schuld auf den Sekretär geschoben und gemeint, dieser habe dieses System installiert, er habe es nur weitergeführt.

Den angeklagten ehemaligen Funktionären wurde vorgeworfen, von den Schwarzzahlungen an die Spieler gewusst und nicht rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit des Vereins erkannt zu haben. Ex-Sportdirektor Heinz Schilcher musste sich verantworten, weil er für die Aushandlung der Veträge mit den Fußballern - inklusive Sonderzahlungen, die an der Finanz vorbei getätigt wurden - verantwortlich gemacht wurde.

Der Konkurs des Fußballvereins erfolgte 2006, obwohl er bereits 2002 "objektiv errechenbar" gewesen wäre, so Gutachter Fritz Kleiner. Ein heiß umstrittenes Thema während des gesamten Prozesses war der tatsächliche oder fiktive Wert der Spieler. Es gebe dafür keine klaren Richtlinien, die Transferkosten seien keinesfalls mit stillen Reserven gleichzusetzen. "Das heißt nicht, dass der Spieler nichts wert ist, nur, dass das in einer Bilanz nicht dargestellt werden kann", so Kleiner dezidiert.

Doch alle Rechnungen und Berechnungen hatten ein Ende, als es am 42. Tag nach vierstündiger Beratung endlich zu einem Urteil durch den Schöffensenat kam. Verurteilt wurden alle acht Angeklagten, auch wenn einige immer wieder beteuert hatten, von den Schwarzzahlungen und Schwarzeinnahmen nichts gewusst zu haben.

"Für die Beitragstäter genügt es, dass sie die Tat des Haupttäters kennen, was von den Vorstandsmitgliedern angenommen werden muss", begründete Richter Karl Buchgraber die Verurteilungen. Kartnig habe "einen Personalaufwand getrieben, der in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Lage des Vereins gestanden ist", führte der Richter weiter aus.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.