Erstellt am 13. Oktober 2010, 14:26

Haft für Hanf-Dealer. DROGENGESCHÄFT / Cannabis gezüchtet und verkauft, bis die Handschellen klickten! Jetzt wurden fünf Männer verurteilt.

 |  NOEN, www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)
BEZIRK NEUSIEDL / Sechs Männer nahmen auf der Anklagebank im Landesgericht Platz. Dem Hauptangeklagten, einem 32-jährigen Sportshop-Mitarbeiter aus dem Bezirk Neusiedl, wurde vorgeworfen, Cannabis selbst angebaut und insgesamt 14 Kilogramm Cannabiskraut verkauft zu haben. „Die Menge ist nicht ganz richtig, es waren nur neun bis zehn Kilogramm“, erklärte der Mann vor Gericht.

Befreundet war er mit einem 21-jährigen Surflehrer, der am Neusiedlersee nicht nur Wassersportler, sondern auch Drogensüchtige betreute. Er bezog von dem Shopmitarbeiter sechs bis acht Kilogramm Cannabiskraut und verkaufte dieses zum größten Teil weiter.

Mit einem weiteren Angeklagten, einem 38-jährigen Hufschmied aus Wien, verband den 32-jährigen Shopmitarbeiter nicht nur die Leidenschaft für den Reitsport: Der Hufschmied kaufte seinem Freund Cannabis ab, produzierte aber auch selbst und verkaufte in großen Mengen an andere Abnehmer weiter, darunter auch ein 30-jähriger Einrichtungsberater, der ebenfalls vorige Woche auf der Anklagebank Platz nahm. Der 30-Jährige, ein Wiener, stellte 3,6 Kilogramm Cannabisblüten selbst her und verkaufte insgesamt 15 Kilogramm. Der Einrichtungsberater war früher in einem so genannten „Growshop“ tätig, einem Geschäft, in dem man alle Utensilien erhält, die für den Anbau von Cannabis erforderlich sind.

Angeklagt wurde auch der Betreiber dieses Shops, ein 30-jähriger Wiener: „Es ist nicht so, dass bei mir ausschließlich Cannabiskonsumenten einkaufen“, erklärte er vor Gericht. „Das sind alles Sachen, die man woanders auch kaufen kann.“ Bewässerungsanlagen, Beleuchtungsanlagen, Dünger, Töpfe, Ventilatoren: Das klingt harmlos, richtig kombiniert wird daraus aber eine Indoor-Drogenplantage.

Der Shopbetreiber war übrigens der Einzige, der ohne Strafe davon kam: Das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt, weil nicht nachgewiesen werden konnte, dass der Wiener Drogen weiterverkaufte.

Verurteilt wurde hingegen ein arbeitsloser Wiener, der wegen Depressionen in Behandlung ist. Er habe Cannabis konsumiert, um besser einschlafen zu können, erklärte er Richterin Dr. Andrea Rosensteiner und den Schöffen. Aus finanziellen Gründen habe er 230 Cannabispflanzen angebaut. „Als ich hörte, dass es im Bekanntenkreis Verhaftungen gab, schnitt ich die Pflanzen ab und entsorgte sie.“

Fünf der Angeklagten wurden zwischen Oktober und November 2009 verhaftet und nach einigen Wochen Untersuchungshaft wieder freigelassen.

Der Sportshop-Mitarbeiter und der Hufschmied erhielten nun eine Haftstrafe von 20 Monaten, davon 16 Monate auf Bewährung, der Surflehrer muss von zwölf Monaten nur einen verbüßen, der Einrichtungsberater sitzt von zwei Jahren sechs Monate ab, der Arbeitslose kam mit einer bedingten Haftstrafe im Ausmaß von zehn Monaten davon.

Alle Angeklagten nahmen ihre Urteile an, Staatsanwältin Mag. Beatrix Resatz war damit ebenfalls einverstanden, nicht aber mit der Einstellung des Verfahrens gegen den Growshop-Betreiber.