Erstellt am 04. Juni 2014, 15:14

von APA/Red

Haftstrafen für Traktordiebe. Wegen im Vorjahr im Burgenland verübter Traktordiebstähle sind am Mittwoch in Eisenstadt zwei Brüder zu 20 und 24 Monaten unbedingter Haft verurteilt worden.

Foto: Erwin Wodicka  |  NOEN, BilderBox - Erwin Wodicka / wodi
Die Zugmaschinen hatten einen Gesamtwert von rund 138.000 Euro. Die beiden Verurteilten verzichteten auf Rechtsmittel - anders der Staatsanwalt: Die Strafe sei "meiner Meinung nach zu wenig", erklärte Ankläger Roland Koch.

Die Urteile sind somit nicht rechtskräftig. "Es geht um Traktordiebstähle - drei vollendete und einen versuchten und um Sachbeschädigung", umriss Koch die Vorwürfe der Anklage. 2012 und 2013 seien im Burgenland um die 20 Traktoren "und mehr" gestohlen worden. Drei Tätergruppen wurden ausgeforscht. Jene, zu der die beiden Brüder gehört haben sollen, sei auf den Diebstahl von Schmalspurtraktoren, wie sie in Weingärten verwendet werden, spezialisiert gewesen.

"So eine Tat kann man nicht alleine begehen."

Die angeklagten Diebstähle wurden im Zeitraum von Juli bis September 2013 verübt. In Jois (Bezirk Neusiedl am See) sollen die beiden "mit Brachialgewalt" versucht haben, den 40.000 Euro-Traktor eines Winzers zu stehlen. Weil dies nicht klappte - die Zugmaschine passte nicht zum Abtransport in den Bus - wurde das Dach der Fahrerkabine abgeschnitten und der Traktor rund einen Kilometer vom Weingut entfernt in einem Weingarten abgestellt. Am nächsten Tag kamen die Täter wieder, kappten auch noch die Holme vom Kabinengehäuse, mussten aber erneut unverrichteter Dinge abziehen. "Das Ding ist einfach komplett zerstört worden", deshalb liege auch schwere Sachbeschädigung vor, argumentierte der Ankläger.

Die Verantwortung für einen weiteren Diebstahl nahm der 35-Jährige auf seine alleinige Kappe. Sein Bruder sei nicht dabei gewesen, weil sich beide vorher zerstritten hätten. "Wer's glaubt, wird selig", meinte die Vorsitzende des Schöffensenats, Richterin Birgit Falb: "So eine Tat kann man nicht alleine begehen." Diese Ansicht teilte auch ein als Zeuge befragter Ermittler: Der gestohlene Traktor habe fast drei Tonnen gewogen.

Verteidiger baten um milde Strafen

Einen Traktor habe er in Rumänien in der Donau versenkt, nachdem er nicht fahrbar und die Reparatur zu teuer gewesen sei, schilderte der 30-Jährige. Diese Verantwortung sei "äußerst unglaubwürdig", meinte ein Ermittler. Eine "Versenkung" sei schon deshalb unwahrscheinlich, weil die Donau in der fraglichen Zeit Niederwasser geführt habe.

Dass zumindest ein Diebstahl ein Zufallsprodukt gewesen sei, weil man auf der Durchfahrt halt bei dem Traktor vorbeikam, ließ der Staatsanwalt, der noch einen dritten Mittäter vermutete, nicht gelten: "Die waren eine Partie und die sind auch nicht zufällig dorthin gekommen und haben Traktoren gestohlen." Die Straße durch Gols, dem zweiten Schauplatz, sei "keine Hauptverkehrsader nach Deutschland" und nach dem geschädigten Weingut müsste man schon gezielt suchen. Auch um den dritten Tatort, den Forstgarten in Weiden am See, zu finden, müsse man "ein bisschen ins Gestrüpp fahren." "Es wird unbedingte Freiheitsstrafen geben müssen, die nicht ganz im untersten Bereich sein werden können", lautete das Resümee des Staatsanwalts.

Die beiden Verteidiger baten hingegen um milde Strafen. "Der Vorsatz war nur darauf gerichtet, die Traktoren - wenn, dann zu stehlen, aber nicht sie zu beschädigen", argumentierte der Anwalt des 30-Jährigen. Das Gericht sprach den 30-Jährigen im Zweifel vom Vorwurf eines Diebstahls, wo auch keine DNA-Spuren von ihm gefunden werden konnten, frei. Für die anderen Delikte wurden beide schuldig gesprochen.

Als mildernd wertete das Gericht die überwiegend geständige Verantwortung und dass es einmal beim Versuch geblieben sei. Erschwerend sei das Zusammentreffen mehrerer strafbarer Handlungen sowie die mehrfache Überschreitung der Wertgrenze beim Diebstahl und das "getrübte" Vorleben der Männer. Den Geschädigten wurden insgesamt 17.300 Euro zugesprochen, mit den übrigen Forderungen wurden sie auf den Zivilrechtsweg verwiesen.