Erstellt am 23. Mai 2011, 12:17

Hahns Dissertation offenbar ein Plagiat. Der ehemalige Wissenschaftsminister und derzeitige EU-Kommissar Hahn hat sich "offensichtlich seine Dissertation erschwindelt". Das ist laut dem Grünen Sicherheitssprecher Peter Pilz das Ergebnis einer Überprüfung der Dissertation Hahns durch den als "Plagiatsjäger" bekanntgewordenen Medienwissenschafter Stefan Weber, die dieser im Auftrag des Grünen Klubs durchgeführt hat.

Demnach sind zumindest 17,2 Prozent der Gesamtzeilenanzahl der Arbeit plagiiert. Konkret hat Weber im Schnitt auf jeder vierten Seite von Hahns 254 Seiten umfassenden Arbeit "Die Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Beispiel der Stadt" (1987) Plagiatsfragmente entdeckt. Insgesamt waren es 76 Plagiatsfragmente, in 68 Fällen hat Hahn laut dem Gutachten den Text angepasst - man könne daher nicht von vergessenen Anführungszeichen reden, so Pilz. Dies sei absichtlich geschehen, es handle sich daher um "Manipulation, möglicherweise Fälschung". Laut Pilz könnte Hahn in noch größerem Umfang abgeschrieben haben, als Weber in seinem rein manuellen Vergleich der Dissertation mit 21 Werken aus der Literaturliste feststellen konnte.

Harsche Kritik übte Pilz in diesem Zusammenhang an der Uni Wien: "Die Universität deckt ihre Minister", so habe sie eine Anzeige Weber aus 2007 "einfach liegen gelassen". Er gehe davon aus, dass jenes Gutachten, das die Uni Wien nun bei der Agentur für wissenschaftliche Integrität angefordert hat und das bis Herbst veröffentlicht werden soll, "sauber" sein werde. Er wolle sich aber sowohl die Rolle von Hahns Doktorvater Peter Kampits als auch der für die Einleitung von Plagiatsprüfungen in Verdachtsfällen zuständigen Studienpräses Brigitte Kopp ansehen.

Peter Pilz verwies darauf, dass die Uni Wien laut dem Universitätsgesetz die Verleihung des akademischen Titels aufheben müsse, wenn dieser - wie laut Gutachten in Hahns Fall - "erschlichen" wurde. Es gebe auch ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) aus 2009 zu einem der Dissertation Hahns sehr ähnlichen Fall, in dem ebenfalls Techniken verwendet wurden, die - wie es in dem Gutachten heißt - "auf bewusste Verschleierung hindeuten". Es könne gut sein, dass der VwGH sich auch mit der Arbeit des "Doktoratsschwindlers" Hahn beschäftigen werde, glaubt Pilz.

Das Gutachten wurde bereits am Vormittag der Uni Wien übermittelt, es soll auch an die europäische Kommission gehen. Von dieser erwartet sich Pilz, dass sie - angesichts des schwindenden Vertrauens in alle Ebenen der EU - "zumindest die Standards der deutschen Bundesregierung auch in Brüssel" anwende, sagte er mit Verweis auf den nach einer Plagiatsaffäre zurückgetretenen deutschen Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Von Hahn selbst erhofft sich Pilz, dass er sich "mit Anstand" aus seinem Amt zurückzieht.

Gleichzeitig stellte er die Personalpolitik der ÖVP und der Regierung in der EU in Frage. Er habe den Eindruck, Brüssel sei ein "Entsorgungsort" für Politiker, die man in Wien nicht mehr brauche. Immerhin habe es gegen Hahn nicht nur Vorwürfe des Plagiats, sondern auch der Übergabe von Schwarzgeld für den niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic gegeben. Und auch der nach einem Lobbyistenskandal zurückgetretene ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Ernst Strasser, sei davor kein Unbekannter gewesen.