Erstellt am 14. Februar 2012, 06:58

Heißes Pflaster Nickelsdorf: Polizei im Dauereinsatz an der A4. Die Ostautobahn A4 bei Nickelsdorf (Bezirk Neusiedl am See) im Burgenland zählt zu den am meisten befahrenen Transitrouten Österreichs. Auf der Straßenverbindung sind im Jahr mehr als 30 Millionen Menschen unterwegs.

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Inmitten der gewaltigen Verkehrsströme für Ordnung und Sicherheit zu sorgen, gehört zu den Aufgaben der Beamten der Grenzpolizeiinspektion Nickelsdorf AGM. Rund 40 Polizisten sind - bei der Fahndung nach Schleppern, Einbrechern, Autodieben und anderen Straftätern - rund um die Uhr im Einsatz.
 
Die Dienststelle wurde nach der Verlegung der Schengengrenze und der Auflassung der Grenzkontrollen eingerichtet, um die Schengen-Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen. Das "Revier" der Gesetzeshüter umfasst die stark befahrenen Transitrouten und erstreckt sich von der A4 über die B10 und die B50 bis zum Lkw-Kontrollplatz nach Eisenstadt, schildert Kommandant Chefinspektor Josef Kinzel im Gespräch mit der APA.
 
Zu den Straftaten, die häufig verübt werden, zählt nach wie vor die Schlepperei. Erst gestern, Montag, griffen die Beamten vor Zurndorf zwölf illegale Grenzgänger aus Pakistan auf und nahmen deren mutmaßliche Schlepper aus Ungarn fest. Den letzten Großaufgriff von 20 Personen gab es am 23. Jänner, so Kinzel. Beim Vorbeifahren habe man zunächst nicht gesehen, dass der Kastenwagen eigentlich ein Schlepperfahrzeug war: "Da sieht man nur den Lenker, die Personen sitzen auf dem Boden, die Sitzbänke sind ausgebaut."
 
Die Beamten schauten nach und wurden fündig. Der Schlepper wurde verhaftet. Der Mann war schon vor einigen Monaten bei der Ausreise aufgefallen: "Im Fahrzeug waren typische Schmutzspuren vorhanden, was darauf hindeutet, dass eine größere Zahl von Menschen in dem Kastenwagen gelegen sind", erzählt der Inspektionskommandant. Damals hätten für eine Festnahme jedoch die Beweise gefehlt.
 
"Gefährlich wird es insbesondere bei den Nacheilungen, die in letzter Zeit immer häufiger vorkommen", berichtet Kinzel. "Wir haben Fälle gehabt, wo Kfz-Verschieber auf der Autobahn umgedreht haben und zehn Kilometer gegen die Richtungsfahrbahn gefahren sind." Vor einigen Monaten sei ein Verdächtiger in Gattendorf frontal in eine Straßensperre gekracht. Ein Polizist wurde dabei verletzt: "Dem hat es die Armbanduhr von der Hand weggerissen." Zweimal wurden Fahnder von Autodieben mit dem Wagen mitgeschleift, als sie nach dem Fahrzeugschlüssel griffen: "Die Kollegen haben Glück gehabt, dass sie heute noch leben."
 
"Jede Anhaltung auf der Autobahn ist mit Gefahr verbunden", weiß der Chefinspektor: "Der Täter steht nach einem Diebstahl oder Einbruch noch unter Stress." Verdächtige würden dann bei Anhalteversuchen manchmal unüberlegt handeln. Zudem spiele sich das Ganze meist in einem hohen Geschwindigkeitsbereich ab. Und Täter, die mit 150 oder 160 in Schlangenlinien zu flüchten versuchen, hätten meist nichts zu verlieren: "Man muss sich eigentlich wundern, dass noch so wenig passiert ist in puncto Verkehrsunfällen."

Chefinspektor Kinzel wirft einen Blick in eine dicke Mappe, die Berichte über Amtshandlungen seiner Beamten enthält. Oft haben es die Ermittler der Grenzpolizeiinspektion Nickelsdorf AGM auch mit Autodieben und Einbrechern zu tun. Bei den Kfz-Diebstählen etwa orientiere man sich stark am Geschehen im Großraum Wien. Die Fahndungen werden jeden Tag aktualisiert. Im Verwahrungsbuch der Dienststelle sind für das Vorjahr 366 Festnahmen eingetragen.
 
 "Wir sind eine reine Fahndungsdienststelle. Wir suchen immer", meint Kinzel im Gespräch mit der APA: "Man schaut sich an, was in Wien für Autos gestohlen worden sind, was aktuelle Fahndungen sind." Derzeit bei Autodieben "gefragt" seien beispielsweise Skoda Octavia Kombi.
 
Bei vielen Straftaten nehme die Klärung in Nickelsdorf ihren Ausgang, sagt der Kommandant: "Große Fälle werden meistens mit unserer Mitarbeit gelöst." "Es werden sehr oft Täter angehalten, die nur Einbruchswerkzeug mithaben oder Werkzeug zum Auto Aufbrechen und Starten. Anhand dieser Erkenntnisse ist dann oft weitergearbeitet worden" - bis hin zur Aufklärung von Seriendelikten, erläutert Revierinspektor Martin Wendelin.
 
Im Vorjahr wurde beispielsweise eine auf den Diebstahl von Mercedes Sprinter-Fahrzeugen spezialisierte Bande gefasst. Nach einem Raub in Spanien klickten für den Verdächtigen in Nickelsdorf die Handschellen. "Homechecker" - Einbrecher, die auch gleich das Auto mitnehmen - gingen den Beamten ebenfalls ins Netz. Auch zwei Mörder wurden von den Beamten der AGM-Dienststelle gefasst, berichtet Kinzel. Einer der beiden Festgenommenen hatte in Deutschland einen Koch zerstückelt und Leichenteile in verschiedene Gewässer geworfen.
 
Pech für einen Drogenschmuggler: Er geriet bei der Kontrolle ausgerechnet an einen Beamten mit einer Ausbildung als Karosseriespengler: "Der hat gesehen: An der Stoßstange ist schon gearbeitet worden." Unter den öfter verübten Delikten waren im Vorjahr auch Buntmetalldiebstähle.
 
 Häufig seien auch überfüllte Personentransporte. Ebenfalls im Vorjahr stiegen bei einer Kontrolle 23 Menschen aus einem für neun Personen zugelassenen Mercedes Vito aus Irland. "Der war aber noch zur Hälfte mit Gepäck beladen", so Wendelin. Solche Fälle seien manchmal schon von der Logistik her schwierig. Man brauche Ersatzfahrzeuge, Unterkünfte würden benötigt. Manchmal müsse man die Leute auch zum Zug bringen.
 
Wer ständig mit illegalen Grenzgängern zu tun habe, bräuchte vielleicht auch manchmal selbst psychologische Betreuung, meint Kinzel: "Das betrifft dich irgendwo, weil du siehst nur Elend." Unter den Aufgegriffenen seien viele Kinder. Manchmal hätten die Leute auf der Flucht mehrere Wochen keine Möglichkeit, sich zu waschen.
 
Bei den Kontrollen entwickle jeder Beamten mit der Zeit sein eigenes kriminalistisches Profil, nach dem er kontrolliere, erzählt der Inspektionskommandant: "Wenn da etwas nicht hineinpasst, dann schöpft der Kollege Verdacht.
 
"Die meisten Erfolge haben wir in der Früh", schildert der Chefinspektor. Das sei mit dem Verhalten der Täter zu erklären: "Mitternacht fahren sie herein, kundschaften den Tatort aus, machen den Bruch und in der Früh kommen sie heim." Einbrecher und Kfz-Schieber seien meistens zwischen 4.00 und 7.00 Uhr unterwegs.
 
Besonders Banden überlassen nichts dem Zufall: "Wir wissen, dass teilweise auch eine Gegenobservation stattfindet. Speziell Kfz-Verschieber fahren vor und sagen: Die Straße ist rein, keine Polizei", berichtet der Chefinspektor: "Das Gegenüber sagt auch: 'In Nickelsdorf ist das Pflaster für uns heiß.' Die weichen auch schon aus. Das wissen wir. Das sagen uns die Kollegen von den Kriminalabteilungen."