Rechnitz , Tobaj

Erstellt am 03. August 2016, 11:14

von APA Red

Alkoholkonsum in Asylunterkünften oft ein Thema. Neuerlicher Vorfall, diesmal in Deutsch Tschantschendorf /Tobaj im Bezirk Güssing! Stv. Polizeichef Fasching meint: "Wir versuchen in Gesprächen mit Unterkunftgebern darauf hinzuwirken, dass Alkoholverbote auferlegt werden."

Zu tief ins Glas geschaut? Alkohol und Asylwerber sind im Burgenland zuletzt wiederholt ein Thema gewesen.  |  NOEN

Im Burgenland ist es in den vergangenen Wochen und Monaten in Asylunterkünften immer wieder zu Auseinandersetzungen unter alkoholisierten Bewohnern gekommen.

Erst am Montag hat ein 30-jähriger Asylwerber mit mehr als zwei Promille Alkohol im Blut drei Personen in Deutsch Tschantschendorf  (Bezirk Güssing) mit einem ca. 23 cm langen Messer bedroht, und zwar laut Aussendung der Polizei u.a. die 25-jährige Geschäftsführerin seiner Unterkunft.

Davor hatte er eine Afghanin in der Küche wegen Differenzen beim Kochen am Kopftuch gepackt und ebenso mit dem Messer bedroht sowie zusätzlich "Tötungsabsichten" (so die Landespolizeidirektion) gegen den Ehemann der Asylwerberin (45) ausgesprochen.

Die APA sprach mit dem stv. Polizeichef des Burgenlandes, Werner Fasching, über das Thema.

Alkohol auch Thema bei den Werteschulungen

Am Montagnachmittag soll der verdächtige Asylwerber aus Mali in der Unterkunft in Deutsch Tschantschendorf zu einem etwa 23 Zentimeter langen Messer gegriffen und zunächst wegen Differenzen beim Kochen eine 41-jährige Bewohnerin am Kopftuch gepackt und damit gedroht haben, ihren Mann umzubringen. Außerdem soll er auch die Geschäftsführerin des Quartiers bedroht haben. Verletzt wurde laut Polizei niemand. Der Asylwerber wurde nach einer vorläufigen Festnahme angezeigt.

Ähnliche Fälle haben die Exekutive in der Vergangenheit öfter beschäftigt. Deshalb ist der Alkoholkonsum auch eines der Themen bei den sogenannten Werteschulungen, die seit etwa drei Monaten abgehalten werden. Und: "Wir versuchen in Gesprächen mit den Unterkunftgebern darauf hinzuwirken, dass Alkoholverbote innerhalb der Quartiere auferlegt werden. Das ist in Wirklichkeit aber nur die halbe Miete, weil wenn die Bewohner auswärts trinken, kann man auch nichts machen", meinte Fasching.

Rechnitz: Unterschiedliche afghanische Stämme

Im Großen und Ganzen funktioniere es laut Polizei in den Unterkünften sehr gut. "Aber dort, wo es größere Quartiere gibt, gibt es manchmal Probleme, die sich allerdings größtenteils innerhalb der eigenen Clique abspielen.

In Rechnitz sind derzeit viele Personen aus Afghanistan untergebracht - jedoch aus verschiedenen Stämmen, die sich nicht vertragen. Und insbesondere wenn Alkohol konsumiert worden ist, kommt es eben manchmal zu Streitereien oder Raufereien. Aber die sonstige Öffentlichkeit ist davon kaum oder ganz selten betroffen", sagte der stellvertretende Landespolizeidirektor.

Kommt es häufiger zu Problemen, kann es auch sein, dass eine Person aus der Grundversorgung genommen wird. "Wir sind in ständigem Kontakt mit dem Land, das ja für die Grundversorgung zuständig ist. Und wenn sich jemand nicht entsprechend verhält, gibt es die Möglichkeit, dass er rausgenommen wird und das wird auch immer wieder gemacht. Bei Minderjährigen passiert das meist nicht. Hier wird versucht, dass die Person dann in ein anderes Quartier verlegt wird. Dafür ist das Land zuständig."

In jeder Inspektion ein zuständiger Beamter

Generell kontrolliert die Polizei in den Asylunterkünften ständig - auch in Hinblick auf etwaige Radikalisierungen. Einen konkreten Namen, wie etwa in anderen Bundesländern haben diese verstärkten Kontrollen jedoch nicht. "Jedes Bundesland stimmt die Kontrollen auf seine Bedürfnisse ab", sagte Fasching. Das sei auch stark von der Größe der Quartiere abhängig.

Konkret kontrolliert die Polizei im Burgenland als Fremdenpolizei gemeinsam mit Vertretern der Bezirkshauptmannschaft, des koordinierten fremdenpolizeilichen Diensts sowie des Landesamts für Verfassungsschutz. "Die Kollegen vom Verfassungsschutz sind deshalb dabei, weil sie dementsprechend geschult sind und etwa anhand der Musik, die gespielt wird, oder am Verhalten, an der Sprache und an der Kommunikation genau sehen, ob Anzeichen für eine Radikalisierung vorliegen", ergänzte Pressesprecherin Daniela Landauer.

Zusätzlich gibt es in jeder Polizeiinspektion einen Beamten, der explizit für die Quartiere bzw. Asylwerber zuständig ist. "Dieser Beamte hält insbesondere mit den Quartiergebern Kontakt und schaut auch in der Gemeinde und beim Bürgermeister nach, was sich tut und ob es Probleme gibt. Soweit es möglich ist, wird auch mit den Asylwerbern Kontakt gehalten", sagte Fasching. Derzeit befinden sich im Burgenland etwa 2.800 bis 3.000 Personen in der Grundversorgung.