Erstellt am 13. Juni 2013, 09:05

Im Notfall rasch zur Stelle: 200 First Responder helfen. Wenn bei Notfällen dringend Hilfe gebraucht wird, sind sie noch vor dem Rettungswagen oder Notarzthubschrauber zur Stelle.

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Seit 20 Jahren rücken im Burgenland First Responder - speziell für die Ersthilfe ausgebildete Rettungssanitäter - zu Einsätzen aus. Ihre Hauptaufgabe ist die Rettung von Menschenleben, oft sind sie aber auch Lotse für den Notarzthubschrauber oder beruhigen aufgeregte Angehörige.

Verkehrsunfall einst als Anlassfall

In der Vorwoche hat der mittlerweile 200. Ersthelfer im Burgenland seinen Dienst aufgenommen. Rettungsdienstleiter Hans-Peter Polzer schilderte am Donnerstag die Entwicklung des First-Responder-Wesens im Burgenland von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Anlassfall war einst ein Verkehrsunfall, bei dem ein junger Mann aus dem Südburgenland bleibende Schäden davontrug, "weil halt niemand rechtzeitig da war, der zum Beispiel geschaut hätte, dass er ganz normal weiteratmet", erinnert sich Polzer. Der Rettungsdienst damals sei schon gut ausgebaut gewesen - aber noch nicht so, dass er tatsächlich in kurzer Zeit an jedem Punkt im Bezirk sein konnte.

Schon in Zeit ohne Handy immer früh vor Ort

So kam man auf die Idee, in einer Liste zu erfassen, wo sich die Mitarbeiter unter Tags, am Abend oder am Wochenende aufhalten. Wurde ein Notfall gemeldet, dann sah man auf der Liste nach, wer in der betreffenden Region gerade unterwegs war. Über einen Piepser wurden dann die Leute alarmiert und bekamen via Telefon die Information über den Einsatzort, erzählt der Rettungsdienstleiter.

In einer Zeit ohne Handy sei das noch umständlich gewesen: "Aber wir haben schon damals immer wieder Leute tatsächlich viel schneller als die Rettung vor Ort gebracht. Die haben dann dort mit bescheidener Ausrüstung gute Erste Hilfe geleistet."

"Was im Kleinen begann, ist jetzt flächendeckend geworden"

Die Ausrüstung der Rotkreuzmitarbeiter wurde bald erweitert, immer mehr Helfer waren bald auch über Handy erreichbar. "Mit der Zusammenlegung der Leitstellen ist es gelungen, die Leute soweit zu motivieren, dass sie rund um die Uhr weiterhin einsatzbereit sind." Die Alarmierung erfolgte schließlich über SMS immer für ein ganzes Gebiet: "Diejenigen, die in der Nähe sind, meldeten sich in der Leitstelle und haben dort die genaueren Daten erfahren und den Einsatz übernommen."

Mittlerweile werde der First Responder bei Notfällen bereits in der Leitstelle bei den Einsatzmitteln mit vorgeschlagen. "Was im Kleinen begonnen hat mit sieben, acht Leuten im Bezirk Oberwart auf drei, vier Einsatzgebiete aufgeteilt, ist jetzt flächendeckend geworden im Burgenland", so Polzer: "Wir erreichen beinahe jeden Notfallort tatsächlich in einer sehr, sehr kurzen Zeit." Bei schätzungsweise einem Drittel bis zur Hälfte aller Rettungseinsätze sei mittlerweile ein First Responder an Ort und Stelle.

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Flexibilität als große Stärke

Das Besondere am First-Responder-Wesen im Burgenland sei die Flexibilität, beschreibt Rettungsdienstleiter Polzer: Bei Notfällen bekommen jeweils alle Ersthelfer eines Bezirks die Meldung und können dann, wenn sie in der Nähe sind, mit ihrem Privatauto zum Einsatz fahren.

Einsätze würden vom jeweiligen Helfer nur übernommen, wenn der Notfallort in unmittelbarer Umgebung seines Aufenthaltsortes liege: "Wir fahren nicht über drei oder vier Gemeindegrenzen hinweg, um dann zwei oder drei Minuten vor dem Rettungswagen einzutreffen."

Durch die kurze Distanz seien die First Responder bis zu zehn, 15 Minuten vor dem Rettungsmittel mit einer qualifizierten Ersten Hilfe an Ort und Stelle. Die Helfer haben eine Basisausstattung mit, rund die Hälfte von ihnen auch einen Defibrillator.

Schon kleine Handgriffe können viel bewirken

Die meisten verfügen über viel Erfahrung im Rettungsdienst, schildert Polzer. Schon kleine Handgriffe - eine stabile Seitenlagerung, das Anheben des Unterkiefers, damit ein Bewusstloser atmen kann, oder das Stillen einer starken Blutung mit relativ einfachen Maßnahmen - könnten viel bewirken und auch später in der Rehabilitation große Vorteile bringen.

Die Lebensrettung stehe an oberster Stelle, so Polzer. Oft gelte es aber auch, aufgeregte Angehörige zu beruhigen, die noch keinen Notfall in ihrer Familie erlebt haben und dann hilflos seien: "Und dann plötzlich steht einer in der Tür, der weiß, was er tut. Das alleine wirkt oft Wunder." Auch Hilfestellung für Angehörige nach dem Abtransport eines Verletzten gehöre zur Tätigkeit eines Ersthelfers.

Seit vergangene Woche Mitarbeiter 200 und 201

Die First Responder im Burgenland haben alle den Rettungssanitäterkurs absolviert. Alle sind Rettungsdienstmitarbeiter, viele auch Notfallsanitäter. Die Helfer lotsen den Notarzthubschrauber und sichern den Landeplatz ab: "Mit GPS finden wir jedes Haus mittlerweile punktgenau."

Vergangene Woche haben sich im Burgenland zwei weitere Freiwillige als 200. und 201. First Responder zum Einsatz gemeldet, berichtet Polzer: "Seit Samstagabend sind die zwei jungen Männer jetzt sozusagen offiziell im Dienst."