Erstellt am 28. Januar 2013, 15:34

Immofinanz-Prozess geht mit Befragungen weiter. Mit prominenten Zeugen startet der Immofinanz-Strafprozess am Dienstag in eine neue Runde.

An drei Tagen in dieser Woche und an einem Tag Ende Februar wird der Schöffensenat versuchen, mit Hilfe der Zeugen Licht in die Affäre um Aktienoptionsgeschäfte, Treuhandvereinbarungen und Scheinrechnungen der früheren Chefs des größten börsenotierten Immobilienkonzerns Österreichs zu bringen.

Mit der Turnauer-Erbin Christine de Castelbajac ist für Dienstag bereits eine der prominenten Zeugen geladen. Die Tochter des im Jahr 2000 verstorbenen Firmengründers Herbert Turnauer war Eigentümerin der Constantia Privatbank (CPB), bis diese im Oktober 2008 von fünf heimischen Großbanken aufgefangen werden musste. Hintergrund waren Liquiditätsprobleme, unter anderem wegen undurchsichtiger Geldflüsse zwischen der Constantia- und Immofinanz-Gruppe.

Karl Arco, eine weiterer für Dienstag geladener Zeuge, war neben den beiden angeklagten ehemaligen Constantia Privatbank-Vorstände Karl Petrikovics und Norbert Gertner dritter Vorstand in der Privatbank. Arco wurde vom damaligen Vize-Aufsichtsratschef der Bank, dem Angeklagten Helmut Schwager, in den Vorstand berufen, nachdem dieser erfahren hatte, dass Petrikovics und Gertner gemeinsam studiert hätten.

Für Mittwoch sind unter anderem Ex-Wienerberger-Chef Erhard Schaschl und Ex-CA-Generaldirektor Guido Schmidt-Chiari als Zeugen geladen. Schaschl war von 1997 bis Ende 2006 AR-Vize in der Immofinanz und von 2003 bis April 2007 AR-Mitglied in der Immoeast. Schmidt-Chiari, enger Vertrauter von Herbert Turnauer, ist seit 1998 im Aufsichtsrat der Immofinanz und war bis Juni 2009 Vorsitzender der Constantia Packaging AG.

Die Vorwürfe gegen die Angeklagten lauten auf Untreue und auf "Bildung einer kriminellen Vereinigung", die Strafdrohung liegt bei bis zu zehn Jahren Haft. Es geht um Aktienoptionsgeschäfte, mit denen sich die früheren Immofinanz-Manager laut Anklage ohne Zustimmung des Aufsichtsrats auf Kosten des Unternehmens bereichert haben sollen. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe.