Erstellt am 13. Juli 2011, 14:09

Jedem zehnten Polizist droht Burnout. Annähernd jeder zehnte Polizist in Österreich weist Burnout-Symptome auf, gut ein Drittel ist gestresst. Männer leiden mehr unter Stress und sind auch Burnout-gefährdeter als Frauen.

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Dieses Ergebnis einer im Auftrag des Innenministeriums durchgeführten Belastungserhebung bei der Polizei ist am Mittwoch in Wien präsentiert worden.

Bei der Untersuchung kamen zwei unterschiedliche Fragebögen zum Einsatz. Beim ersten, der eigens für diese Erhebung entwickelt worden war, wurden die Faktoren Arbeitsbelastung und emotionale Stabilität abgefragt. Bei der Skala Arbeitsbelastung weisen 62 Prozent der Polizisten keine Gefährdung hinsichtlich einer erhöhten Stressbelastung auf. Ein Drittel hat eine erhöhte Stressreaktion und bei 5,6 Prozent ist die Belastung so hoch, dass von einer Entwicklung eines Burnout-Syndroms auszugehen ist. Wird emotionale Stabilität als Indikator für die Höhe der Stressbelastung hergenommen, sind die Werte höher: 41 Prozent wären demnach stressbelastet und knapp jeder zehnte Befragte erreicht Werte, die über dem kritischen Niveau liegen.

Und: Je länger ein Beamter im Dienst ist, desto höher steigt die Stressbelastung. Im geschlechtsspezifischen Vergleich ist ein gutes Drittel der Frauen gestresst, lediglich sechs Prozent weisen tatsächlich akute Symptome einer überhöhten Stressreaktion auf. Der Anteil der gestressten Männer liegt bei 42 Prozent, jeder zehnte Befragte ist mit Burnout-Symptomen belastet.

"Mehr als die Hälfte der Polizisten weist überhaupt keine Belastungssymptome auf", sagte der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Herbert Anderl. Sollte es dennoch zu Belastungen kommen, stehe der psychologische Dienst zur Verfügung.

Einer der heikelsten Bereiche betrifft dienstliche Vorgänge und organisatorische Abläufe im Polizeidienst. Durch die empfundene steigende Anzahl an Erlässen und gesetzlichen Vorschriften sowie dem bürokratischen Aufwand sind Polizisten stark belastet.

Neben der Belastung wurden auch Zufriedenheitsfaktoren abgefragt. Während Polizistinnen unzufriedener mit der Entlohnung sind als Polizisten, ist im Schnitt die Unzufriedenheit mit dem Handlungs- und Entscheidungsspielraum sowie mit den Arbeits- und Urlaubszeiten bei den Männern höher. Einen positiven Gesamtwert weist der Umgang mit den Kollegen auf: "94 Prozent der Polizisten sind zufrieden mit dem Teamwork", sagte Claus Polndorfer, stellvertretender Leiter des psychologischen Dienstes im Innenministerium.

Ergebnisse zu möglichen Unterschieden zwischen Stadt und Land oder auch zwischen den Bundesländern wurden nicht veröffentlicht, um keine inneren Differenzen zu schüren. "Mir ist der Polizist in Vorarlberg genauso wichtig wie der im Burgenland", so Anderl.

Die Studie im Auftrag des Innenministeriums wurde von der Sicherheitsakademie (SIAK) durchgeführt und von der Karl-Franzens-Universität Graz sowie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck geprüft. Begonnen wurde das Projekt bereits im ersten Quartal 2009. Insgesamt haben österreichweit 1.227 Polizisten an der Haupt-Testung teilgenommen, davon 87 Prozent Männer und 13 Prozent Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 40,5 Jahre, das Alter der Untersuchungsteilnehmer lag zwischen 21 und 66 Jahren. Insgesamt wurde eine Rücklaufquote von annähernd 60 Prozent erreicht.