Erstellt am 17. November 2011, 11:10

Junger Burgenländer wegen schweren sexuellen Missbrauchs vor Gericht. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs stand heute, Donnerstag, ein junger Burgenländer in Eisenstadt vor Gericht.

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Die Anklage wirft dem 18-Jährigen Beischlaf mit einem damals zwölfjährigen Mädchen vor. Die Tat soll im Frühsommer 2009 im Südburgenland verübt worden sein, so die Staatsanwältin. Der Verteidiger bestritt eine Schuld seines Mandanten: "Selbst ein Beischlaf, der nicht mit Gewalt erzwungen worden ist, hat nicht stattgefunden", erklärte der Jurist.
 
 "Es gab geschlechtliche Handlungen zwischen dem damals 15-jährigen Angeklagten und der damals zwölfjährigen Zeugin", so die Staatsanwältin. Der Angeklagte sei nicht geständig. Hätte er im Ermittlungsverfahren Verantwortung übernommen, dann hätte man durchaus mit einer Diversion vorgehen können.
 
Die Anwältin des Mädchens machte einen Betrag von 500 Euro für erlittene seelische Schmerzen geltend: "So ein Vorfall hat natürlich psychische Auswirkungen." Ihre Mandantin habe seelische Probleme. Sie leide an Alpträumen, Schlafstörungen und neige auch zum Alkoholkonsum.
 
Außerdem habe es Bestrebungen gegeben, ihre Mandantin zu beeinflussen. "Es wird versucht, sie mundtot zu machen", so die Juristin. Sollte der Angeklagte den Prozess verlieren, "tät ich mich an deiner Stelle nicht mehr aus dem Haus trauen", habe etwa eine Botschaft im Internet gelautet. "Irgendwie hat er es geschafft, die ganze Clique gegen das Mädchen mobil zu machen", so die Anwältin.
 
Der Vorwurf, der 18-Jährige hätte versucht, Druck auszuüben, werde "mit Entschiedenheit zurückgewiesen", erklärte der Verteidiger des Burgenländers und fügte hinzu: "Der Angeklagte hat sich komplett aus diesem Umfeld zurückgezogen."
 
Hinsichtlich der Vorwürfe gebe es auch zeitliche Ungereimtheiten: Zunächst sei seinem Mandanten vorgeworfen worden, "das Ganze wäre im Sommer 2009 passiert". Dann sei sich das Mädchen plötzlich hinsichtlich eines Datums - 25. April 2009 - sicher gewesen. Der Angeklagte sei damals jedoch in einem Grazer Spital wegen einer Kreuzbandoperation stationär behandelt worden.
 
Er habe damals fast den ganzen Sommer nicht nur Krücken verwendet, sondern auch eine Schiene gehabt: "Dass das überhaupt nicht erwähnt wird, nagt sehr heftig an der Glaubwürdigkeit der Zeugin." Diese habe auch über Jahre versucht, den Angeklagten als ihren Freund zu gewinnen. "Das Beweisverfahren wird ergeben, dass hier dem Angeklagten keine Schuld zur Last zu legen ist", führte der Verteidiger aus.
 
Die Vorsitzende des Schöffensenats, Andrea Rosensteiner, schloss nach dem Anklagevortrag und der Replik des Verteidigers die Öffentlichkeit aus. Im Hinblick darauf, dass der Angeklagte nicht geständig sei, werde das Beweisverfahren in dem Fall sehr umfangreich zu führen sein, begründete die Richterin ihre Entscheidung. Ob der Schöffensenat noch am Donnerstag ein Urteil fällt, stand vorerst nicht fest. Der Verteidiger behielt sich vor, die Einholung eines psychologischen Gutachtens zu beantragen.