Erstellt am 06. Oktober 2014, 08:25

von Mathias Schranz

Räuber irrtümlich aus Haft entlassen. Einer der Mittäter des Überfalls, bei dem der junge Uhrmacher Bernd Riedl schwer verletzt wurde, ist frei.

Bernd Riedl wurde beim Überfall niedergeschossen.  |  NOEN, privat

Im Vorjahr hatte eine jahrelange Leidensgeschichte ihr tragisches Ende gefunden: Der Wiener Neustädter Uhrmacher Bernd Riedl schloss für immer seine Augen. Im Alter von 22 Jahren war er bei einem Juwelier-Überfall in Eisenstadt im Jahr 2005 angeschossen worden, als er die Räuber verfolgen wollte, und seitdem ein Pflegefall gewesen.

Drei Jahre zu früh entlassen

Jetzt wird der Fall von einem Justiz-Skandal eingeholt: Einer der Mittäter, der 30-jährige Serbe Ilija B., wurde irrtümlich drei Jahre zu Früh aus der Haft in der Justizanstalt Garsten (OÖ) entlassen. Eigentlich hätte der Kriminelle sechs Jahre Haft in Deutschland und sechs Jahre Haft in Österreich absitzen müssen.

Durch einen Irrtum in der Verwaltung wurde er vorzeitig entlassen, aufgrund des Aufenthaltsverbots in Österreich ist er wieder in seinem Heimatland.

Die Chancen, dass er freiwillig zurück kommt, stehen schlecht. Für die Familie des Opfers ist das ein Schlag ins Gesicht: „Wir haben das Ganze noch gar nicht richtig mitbekommen, aber das ist natürlich sehr unangenehm“, so die Mutter.

„Das ganze schmerzt natürlich sehr“

General Peter Prechtl, Leiter der Vollzugsdirektion gegenüber den Oberösterreichischen Nachrichten: „Das ganze schmerzt natürlich sehr.“ Nach seiner irrtümlichen Entlassung und Abschiebung nach Serbien wird Ilija B. jetzt mit Europäischem Haftbefehl gesucht. Dabei hätte er in der kommenden Woche als Zeuge unter Wahrheitspflicht im Prozess gegen Slavko P. in Eisenstadt aussagen sollen.

Dieser hat sich ab 15. Oktober wegen Raubmords in einer zweitägigen Verhandlung vor Geschworenen zu verantworten. Ilija B. wäre so etwas wie der Kronzeuge der Anklage gewesen - er soll P. einmal als an dem Überfall Beteiligten genannt haben, und da sein eigenes Verfahren in dieser Sache rechtskräftig erledigt ist, wäre ihm kein Entschlagungsrecht mehr zugekommen.

Räuber gehörte der "Pink-Panther"-Bande an

Zur Vorgeschichte: Eine Sonderkommission der burgenländischen Polizei hatte nach dem Überfall in Eisenstadt im Jahr 2005 nach penibler, Länder übergreifender Ermittlungsarbeit die drei mutmaßlichen Täter ausforschen können. Neben Ilija B. wurden im Dezember 2006 zwei weitere Serben in ihrer Heimat festgenommen. Neben dem brutalen Raub in Eisenstadt, bei dem sie Schmuck im Wert von knapp 450.000 Euro erbeutet hatten, konnten ihnen auch zahlreiche Einbrüche nachgewiesen werden. Die Kriminalisten brachten außerdem zutage, dass die drei Männer der berüchtigten "Pink-Panther"-Gruppierung angehörten.

Dennoch setzten die serbischen Behörden zwei der drei Verdächtigen - neben Ilija B. auch Slavko P., der den letztlich tödlichen Schuss auf den jungen Uhrmacher abgegeben haben soll - wenige Tage später wieder auf freien Fuß. Die beiden setzten darauf ihre kriminellen Karrieren fort: Slavko P. wurde später in Spanien wegen mehrfachen Raubüberfalls zu sechseinhalb Jahren verurteilt, Ilija B. ging der Polizei in Deutschland ins Netz. Er wurde 2008 vom Amtsgericht Hagen wegen vierfachen schweren Raubes zu sechseinhalb Jahren verdonnert.

Nach Verbüßung der Hälfte der Strafe leisteten die deutschen Behörden einem Auslieferungsersuchen der österreichischen Justiz Folge - Ilija B. konnte in Eisenstadt wegen seiner Mitwirkung am Überfall aus dem Jahr 2005 vor Gericht gestellt werden. Im Mai 2012 fasste er eine Zusatzstrafe von sechs Jahren und einem Monat aus, wobei die Geschworenen davon ausgingen, dass er das Fluchtfahrzeug gelenkt hatte. Reguläres Strafende wäre für ihn Herbst 2017 gewesen...

Prozess trotz fehlendem Zeugen

Der Mordprozess soll trotz des Fehlens von Ilija B. "normal" stattfinden. Das teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, Roland Koch, mit.

"Die Beweislage ist sehr gut und sehr dicht", erklärte Koch. Die Tatsache, dass der Zeuge nicht da sein werde, sei nun nicht zu ändern. Es gebe genügend Möglichkeiten, die bereits getätigten Aussagen vorzutragen - in welcher Form auch immer. Zwar wäre es besser, wenn der Zeuge anwesend wäre, "aber in diesem konkreten Fall ist das nicht so dramatisch", sagte Koch.

Die Anklage gegen den 27-jährigen Slavko P. lautet auf Mord und schweren Raub als Mitglied einer kriminellen Vereinigung. Die Hauptverhandlung in Eisenstadt ist für zwei Tage angesetzt. Wie schon bei der Verhandlung gegen den Komplizen vor zweieinhalb Jahren gelten auch diesmal wieder erhöhte Sicherheitsvorkehrungen.