Erstellt am 19. September 2012, 23:23

Kardinal Schönborn stellt umfassende Reformpläne vor. Statt bisher 660 Pfarren künftig weniger aber größere Pfarren mit einzelnen Filialkirchen - Gemeinsame Leitungsaufgaben von Priestern und Laien - Schönborn: "Kirche ist nicht nur dort, wo ein Priester ist"

Die Erzdiözese Wien steht vor einer grundlegenden und umfassenden strukturellen und pastoralen Reform. Wie Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch mitteilte, sollen in den kommenden zehn Jahren anstelle der bisherigen 660 Pfarren weniger, aber größere Pfarren treten, die aus einzelnen Filialgemeinden bestehen. Damit soll die Kirche ihren seelsorglichen Aufgaben wieder besser nachkommen können und ihrem missionarischen Auftrag besser gerecht werden. Priester und Laien werden gemeinsam Leitungsaufgaben wahrnehmen.

"Viele örtliche, von Laien geleitete Filialgemeinden bilden gemeinsam eine neue Pfarre, die von Priestern und Laien gemeinschaftlich unter der Letztverantwortung eines Pfarrers geleitet wird", so der Wiener Erzbischof wörtlich. Eine Pfarre solle so groß sein, "dass in ihr drei bis fünf Priester aktiv ihren Dienst versehen". Einer dieser Priester wird Pfarrer mit Letztverantwortung sein.

Die Filialgemeinden sollen von Laien ehrenamtlich geleitet werden, die wiederum von hauptamtlichen Mitarbeitern der Pfarre unterstützt werden. Zu den hauptamtlichen Mitarbeitern gehören Priester, Diakone, Pastoralassistenten oder auch Verwaltungspersonal.

Kardinal Schönborn betont ausdrücklich, dass mit der Reform die Gemeinden nicht abgeschafft werden. Im Gegenteil: "In den neuen Pfarren sollen sich mehr und lebendigere Gemeinden entfalten können." Die Kirche solle damit auch wieder missionarischer werden und den Menschen an ihren jeweiligen Lebensorten nahe sein, "in der überschaubaren Gemeinde vor Ort ebenso wie im flexibel genutzten größeren Raum".

Wie der Wiener Erzbischof sagt, sollen möglichst viele Menschen am Sonntag den Pfarrgottesdienst besuchen, es werde aber auch möglich sein, dass sich in Filialgemeinden "Gebetsgemeinschaften um das Wort Gottes versammeln".

Die Reform soll zügig umgesetzt werden. In zehn Jahren sollten mindestens 80 Prozent der neuen Pfarren gebildet sein, so Schönborn. Bereits bestehende oder angedachte Pfarrverbände und Seelsorgeräume stellten in diesem Prozess einen möglichen Übergang zu neuen Pfarren dar, seien aber keine Dauereinrichtung. Allerdings räumte der Wiener Erzbischof auch ein, dass man mit dem Reformprozess noch am Anfang stehe und noch viele Fragen offen seien.

"Neues Miteinander von Priestern und Laien"
Er sei sich bewusst, so der Kardinal, dass mit dieser Reform ein weitreichender Perspektivenwandel einhergehe: "Wir müssen uns lösen von dem hergebrachten Bild, dass Kirche nur dort ist, wo ein Priester ist." Das "gemeinsame Priestertum aller Getauften" rücke damit stärker in den Mittelpunkt. Schönborn: "Träger der Mission der Kirche und damit auch der pfarrlichen Seelsorge und des Apostolats sind alle Getauften und Gefirmten." Es gehe um ein neues "Miteinander von Priestern und Laien auf Basis ihrer gemeinsamen Berufung zum Christsein.

Dem aktuellen Reformbeschluss ging ein langer Diskussionsprozess in der Erzdiözese Wien mit drei Diözesanversammlungen und Beratungen in verschiedenen Gremien voraus. Im vergangenen Juni fand ein "Tag der Räte" statt, bei dem rund 250 Personen aus diversen Beratungsgremien der Erzdiözese Wien die Grundlinien der geplanten Diözesanreform diskutierten. Die Ergebnisse dieser Diskussion wurden über den Sommer nochmals überarbeitet. Die Letztfassung der vorgestellten Maßnahmen wurden dann vor kurzem vor der Steuerungsgruppe des diözesanen Reformprozesses, bestehend aus Kardinal Schönborn, den Mitgliedern des Bischofsrates und dem Team des Prozesses "Apostelgeschichte 2010", erstellt. (Kathpress)