Erstellt am 10. Juni 2011, 21:00

Kellerleichen - Verdächtige legte Geständnis ab. Der grausige Kriminalfall um zwei in Wien-Meidling in einem Kellerabteil entdeckte Leichen scheint geklärt: Die Besitzerin des Eissalons "Schleckeria" in der Oswaldgasse, die Spanierin Goidsargi Estibaliz C., hat in Udine, wo sie in der Früh verhaftet worden war, vor Carabinieri ein Geständnis abgelegt. Bei den Opfern handelt es sich um den Ex-Freund und den früheren Mann der 32-Jährigen, so die italienische Polizei am Freitag.

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Beide Männer seien erschossen worden. Das Gewehr habe dem Ex-Mann der Verdächtigen gehört. Die Spanierin erklärte ihre Taten damit, dass sie aufgrund der schwierigen Beziehungen zu den Männern Wutanfälle bekommen habe. Es sei offenkundig, dass die Frau psychische Probleme habe, obwohl sie beim Verhör sehr ruhig und gefasst schien, berichtete die Polizei. "Man sieht, sie hat die Situation schon verarbeitet", meinte ein Beamter.

Gegen Estibaliz C. bestand nach dem Fund von Teilen der zwei einbetonierten Leichen in ihrem Kellerabteil ein EU-Haftbefehl. Die Frau hatte unmittelbar nach der grausigen Entdeckung Anfang dieser Woche die Flucht ergriffen, per Taxi. "Sie ist nach Udine gereist, weil sie Italienisch konnte und nicht zu ihren Angehörigen in Spanien zurückkehren wollte. Auch nach Deutschland wollte sie nicht, weil das die Heimat ihres Ex-Mannes ist", berichtete ein Carabinieri.

Die Spanierin habe sich einige Tage im Raum von Udine aufgehalten, weil sie nicht genau wusste, wohin sie weiterreisen sollte. Am Bahnhof hatte sie am Donnerstagabend einen Straßenkünstler kennengelernt, der ihr eine Unterkunft in seiner Wohnung anbot. Der 33-jährige Quartiergeber schöpfte jedoch wegen des Verhaltens der Spanierin Verdacht und alarmierte die Polizei. Sie wurde am Freitag gegen 7.30 Uhr in der Wohnung des Mannes festgenommen. "Sie hat keinen Widerstand geleistet", berichtete die Polizei.

Nach einer ersten Befragung wurde sie ins Gefängnis von Triest überführt. Ein Untersuchungsrichter werde über die Auslieferung entscheiden. Das Geständnis ist nach italienischem Recht formal noch nicht gültig, da dies vor einem Staatsanwalt erfolgen muss.

Seit Donnerstag ist der Wiener Polizei bekannt, dass es sich bei einer der erschossenen, zerstückelten und einbetonierten Leichen um den seit November des Vorjahres vermissten Oberösterreicher Manfred H., den Ex-Freund der Verdächtigen, handelt. Zum zweiten Toten, nach Aussage der Spanierin ihr deutscher Ex-Mann (32), von dem bisher lediglich der Kopf gefunden wurde, konnte die österreichische Exekutive am Freitagabend noch keine Identität nennen. Auf der Suche nach den restlichen Körperteilen des zweiten, wesentlich früher erschossenen Toten wurden weitere Örtlichkeiten durchsucht, zu denen die 32-Jährige einen Bezug hat.

Die Eissalonbesitzerin ist übrigens im zweiten Monat schwanger und wurde im Krankenhaus von Udine untersucht. Es handelte sich dabei um eine Routinekontrolle.

Spanierin soll Morde 2008 und 2010 verübt haben
Die am Freitag in Udine verhaftete Wiener Eissalonbesitzerin Goidsargi Estibaliz C. soll ihren deutschen Ehemann im Jahr 2008 ermordet haben. Ihr Ex-Freund, der seit November des Vorjahres vermisste Oberösterreicher Manfred H., sei im vergangenen November getötet worden, berichtete die Spanierin der Polizei in Udine. Nach den Morden habe sie die Leichen zerstückelt, in Plastiksäcke gepackt und im Keller des Eissalons in Wien einbetoniert. Sie sei von den beiden Männer physisch und psychisch schwer misshandelt worden, rechtfertigte sich die in Mexiko geborene Frau.

Während des Polizeiverhörs telefonierte die Spanierin mit ihrer in Barcelona lebenden Familie baskischen Ursprungs. Ihr Vater sei ein Psychologe, berichtete die Polizei. Die im zweiten Monat schwangere Frau, die fließend mehrere Sprachen spricht, sei aktuell mit einem Österreicher liiert, berichtete die Polizei in Udine der APA. Nach dem Verhör wurde Goidsargi Estibaliz C. ins Frauengefängnis in Triest überführt. Mit dem Fall wird sich ein Gericht in Triest befassen, das über die Auslieferung der Verdächtigen nach Österreich entscheiden soll.