Erstellt am 06. Mai 2015, 10:37

Kleine Waldohreulen gerettet. Die Eulen- und Greifvogelstation (EGS) Haringsee hat mit drei jungen Waldohreulen, die im burgenländischen Antau aus dem Nest gefallen sind, neue entzückende Gäste.

Waldohreule  |  NOEN, EGS / Stefan Knöpfer
Die Eulen- und Greifvogelstation in Haringsee hat derzeit zahlreiche gerettete Jungvögel, sowohl Nestlinge als auch Ästlinge, zu versorgen. Darunter sind drei entzückende junge Waldohreulen. Sie sind im burgenländischen Antau aus dem Nest gefallen, als der Baum, in dem sich ihr Nest befand, gefällt wurde. Nun werden sie in der EGS von Ammeneltern betreut, bis sie bereit sind, um in die Natur entlassen werden zu können.
 
„In ihrem Fall war eine Rettung durch  Menschenhand lebensrettend“, sagt Vier-Pfoten-Vogelexpertin Brigitte Kopetzky. Leider werden Baumschnitt oder Forstarbeiten noch zur Brut- und Nestlingszeit mancher Vogelarten, wie z.B. Eulen, durchgeführt. „Gerade ältere Bäume mit natürlichen Höhlen, die u.a. Waldkäuzen als Brutplatz dienen, fallen dabei der Säge zum Opfer. Das Frühjahr ist in jeglicher Hinsicht ungeeignet für diese Gartenarbeiten, die ohne Probleme im Herbst erledigt werden könnten“, meint Kopetzky.

x  |  NOEN, EGS / Stefan Knöpfer

 

Nicht jeder Jungvogel außerhalb des Nests braucht Hilfe

Gerade im Frühjahr häufen sich aber auch die Fälle irrtümlich „geretteter“ Jungvögel und junger Wildtiere. Vier Pfoten weist darauf hin, dass nicht jeder vermeintlich aus dem Nest gefallene Jungvogel Hilfe braucht.  Denn es handelt sich sehr oft um einen so genannten „Ästling“, also um einen jungen Vogel, der zwar noch flugunfähig ist, aber bereits außerhalb des Nests im nahe gelegenem Geäst und Buschwerk die Gegend erkundet. „Die Eltern eines Ästlings sind in einem solchen Fall immer in der Nähe und sorgen sich um ihren Nachwuchs“, erklärt Kopetzky.
 
Jungvögel müssen nur dann gerettet werden, wenn man sich völlig sicher ist, dass es sich um einen echten Notfall handelt, also z.B. um einen wirklich frisch geschlüpften oder wenige Tage alten Jungvogel, einen so genannten Nestling.

Am Boden sitzene Jungvögel völlig normal

Es ist ein völlig normales Verhalten, wenn Jungeulen oder andere junge Vögel im Ästlingsstadium das Nest verlassen und in der Umgebung am Boden sitzen. Dies dient vor allem der Hygiene, da in den Nestern Parasiten sein könnten. Außerdem sind die Kleinen nun schon in dem Alter, in dem sie „aus dem Nest herauswachsen“.  Die Eltern versorgen und bewachen die Jungvögel noch eine Zeit lang, diese machen sich durch Bettelrufe bemerkbar. Ein Vorteil des raschen Abwanderns besteht auch darin, dass Fressfeinde (z.B. Marder, Habichte) nicht alle Jungtiere töten, wenn sie ein Nest „überfallen“.
 
„Junge Eulen sind geschickte Kletterer, die auch vom Boden selbständig wieder  Bäume oder Sträucher erklimmen. Sie sind also meistens keinesfalls verwaist, auch wenn die Eltern durch ihre Tarnfärbung von Menschen nur schwer zu entdecken sind“, erklärt Kopetzky