Erstellt am 21. März 2016, 14:30

von APA/Red

Kooperation soll vor häuslicher Gewalt schützen. Im Burgenland kooperieren Polizei, Staatsanwaltschaft Eisenstadt und das Gewaltschutzzentrum, um schwere Gewalt- und Tötungsdelikte im häuslichen Bereich zu verhindern.

 |  NOEN, Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)
Man sei dabei, ein bereits in Wien erprobtes Modell zur Gefährdungseinschätzung an die ländlichen Strukturen anzupassen, berichtete Karin Gölly, Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums Burgenland, am Montag in Eisenstadt.

Ein Ausgangspunkt liege bei internationalen Verpflichtungen, die dem Gewaltschutz im sozialen Nahbereich besonderes Gewicht verleihen, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, Johann Fuchs. In diesem Bereich sei sehr viel Wissen bei diversen Stellen angesiedelt. Allerdings seien auch die Kompetenzen auf viele Stellen verteilt. "Unser Ziel ist es, das Wissen besser zu vernetzen", erläuterte Fuchs. Dadurch sollen Hochrisikofälle identifiziert werden, um ihnen mit einem maßgeschneiderten Konzept zu begegnen.

Nahbereich: Polizei schreitet zuerst ein

Bei Gewalt im sozialen Nahbereich, zum Beispiel in der Familie, schreite zuerst die Polizei ein und könne eine Wegweisung oder ein Betretungsverbot aussprechen, beschrieb der stellvertretende Landespolizeidirektor Generalmajor Werner Fasching die Gesetzeslage. Sind Kinder und Jugendliche betroffen, könne das Betretungsverbot auch auf Schulen, Kindergärten und Horte ausgedehnt werden.

Hat die Polizei die Meldung über eine Betretungsverbot übermittelt, gehe man aktiv auf die gefährdeten Personen zu und biete Unterstützung an, berichtete Gölly. Zum Instrumentarium bei der Gefährdungseinschätzung gehöre ein Fragebogen, wo unterschiedliche Risikofaktoren erfragt werden - gab es schon in der Vergangenheit gewalttätige Übergriffe, gibt es Waffen im Haus, gibt es ein Stiefverhältnis, ist der Gefährder arbeitslos, gibt es Alkohol- oder Suchtgiftmissbrauch? Außerdem wird ein computergestütztes Gefährdungseinschätzungsmodell, das dynamische Risikoanalysesystem, verwendet.

Viele Informationen von Vorteil

"Wesentlich ist, dass man Informationen von vielen Seiten hat" - nicht nur von jener des Opfers, sondern auch von jener des Gefährders, betonte Gölly. Das sei im Idealfall "jemand, der mit dem Gefährder spricht und auch Informationen über seine momentane Situation bekommt". Auch andere Einrichtungen, die einen Fall als Hochrisikofall identifizieren, weil sie über dementsprechende Informationen verfügen, könnten sogenannte Risikokonferenzen einberufen.

Im Vorjahr wurden im Burgenland 171 Betretungsverbote ausgesprochen, berichtete Gölly. Die Zahl der Hochrisikofälle bezifferte sie mit fünf bis acht im Jahr, beruhend auf einer Einschätzung des Gewaltschutzzentrums.