Erstellt am 18. Februar 2013, 13:07

"Kronzeuge" entlastet Ex-Telekom-Chef Sundt. Am vierten Verhandlungstag des Telekom-Prozesses über eine Kursmanipulation im Jahr 2004 hat der als "Kronzeuge" auftretende Schieszler den angeklagten Telekom-Ex-Chef Sundt entlastet. Dessen Vorstandskollegen Fischer und Colombo belastete er schwer. Sie hätten das "Go" gegeben, den Aktienkurs über die Schwelle von 11,70 Euro zu heben. Knapp 100 Telekom-Managern brachte das eine Bonuszahlung ein.

Schieszler schilderte ausführlich die damaligen Ereignisse aus seiner Sicht: Die Entwicklung des Kurses als Basis für ein Bonusprogramm war im Februar 2004 das zentrale Thema im Vorstand, leider habe es sich nicht so entwickelt wie das im Management gewünscht war. Daraufhin sei der Prokurist Trimmel auf ihn zugekommen, und habe gesagt, er kenne einen Broker, der vielleicht helfen könne. Diese Info habe er an "seine" Vorstände Fischer und Colombo weiter geleitet und sich daraufhin mit Trimmel und mit Invest-Broker Wanovits in Wien getroffen.

Wanovits hätte sich bei dem Treffen bereit erklärt, den Kurs über die Schwelle von 11,70 Euro zu heben, so Schieszler. Dafür hätte er 1,5 bis 2 Mio. Euro verlangt. Fischer und Colombo hätten darauf ihre Zustimmung zu dem Deal gegeben, berichtet Schieszler weiter. Mit Sundt habe er darüber nie gesprochen, der Name sei in der Angelegenheit auch nie gefallen. Sowohl Colombo als auch Fischer bestreiten die Vorwürfe.

Ohne Quittung und ohne Rechnung erhielt Wanovits 2004/05 bei drei Geldübergaben Hunderttausende Euro (laut Wanovits rund 600.000 Euro), mit denen sich die Telekom-Eingeweihten für die "Kurspflege" des Brokers erkenntlich zeigten.

Die Telekom musste das Geld in ihrer Buchhaltung irgendwie verbuchen, daher wurde für eine Osteuropa-Studie, die schon im Konzern bestand, der Lobbyist Hochegger eingebunden. Ein Scheinauftrag an dessen Gesellschaft Valora erging über 1,5 Mio. Euro - unterschrieben von Fischer. Diesen habe er vorher zum Finanzvorstand Stefano Colombo geschickt, "sonst hätte er das nicht gemacht", meinte Schieszler.

Nach drei Bargeldübergaben 2004/2005 passierte drei Jahre lang nichts, im Jahr 2008 sei Wanovits aber wieder gekommen und habe das restliche Geld gewollt. Er hätte Wanovits direkt zu Hochegger geschickt. Was diese dann vereinbart hätten, war ihm egal, so der Ex-Telekom-Controller. Staatsanwalt Wandl wollte von Schieszler wissen, in welcher Rolle er mit Wanovits Kontakt aufgenommen hat. Schieszler dazu: "Ich habe es als Entsandter des Vorstandes getan, aber nicht in meiner eigentlichen Funktion. (...) Ich hätte zur Ausübung des Geschäfts nicht unbedingt eine Prokura gebraucht."