Erstellt am 08. Januar 2013, 13:11

Kronzeuge im Mensdorff-Prozess befragt. Im Geldwäsche-Prozess gegen den Rüstungslobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly hat am Dienstag der Steuer- und Finanzberater Mark Cliff per Video-Konferenz ausgesagt.

 Er gilt als Kronzeuge der Anklage. Cliff hatte gegenüber den britischen Behörden über Machenschaften des Rüstungskonzerns BAE Systems ausgepackt. Während der Befragung offenbarte Cliff jedoch Gedächtnis- und Wissenslücken. Zu Beginn seiner Einvernahme stellte der 55-Jährige klar, dass er seine detaillierten Angaben gegenüber der britischen Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) schon vor Jahren gemacht habe. Seine Erinnerung sei nicht mehr frisch, er könne sich daher nicht mehr an alles erinnern, was er seinerzeit zu Protokoll gegeben hatte.

Cliff erklärte, er habe Timothy Landon - der Alfons Mensdorff-Pouilly bei BAE Systems eingeführt hatte und als dessen Mentor galt - in seiner Studienzeit kennengelernt und später Landons beträchtliches Vermögen verwaltet. Bei Fragen nach Briefkasten-Firmen, die für Landon bzw. BAE gegründet worden sein sollen, blieb Cliff vage. Für Mensdorff habe er eine Firma gegründet, damit dieser ein Schloss in Schottland kaufen konnte.

Nicht bestätigen wollte Mark Cliff seine seinerzeitigen Angaben, wonach die auf den Britischen Jungferninseln etablierte Foxbury International SA für BAE Systems ein "Weg" gewesen sei, "Gelder an den Grafen zu leiten". Das hatte der 55-Jährige gegenüber dem Serious Fraud Office (SFO) erklärt.

Er könne sich "nicht mehr genau erinnern, das ist schon einige Jahre her", erklärte Cliff dazu auf Befragen von Richter Stefan Apostol. Weshalb BAE keinen direkten Vertrag mit Mensdorff abgeschlossen habe, wenn dieser doch Berater-Leistungen für den Rüstungskonzern erbrachte, sondern Foxbury zwischengeschaltet wurde, wisse er nicht.

Wofür Mensdorff die lukrierten Gelder verwendet habe, wisse er ebenfalls nicht. Vor dem SFO hatte Cliff noch von "Drittzahlungen" gesprochen, die Mensdorff getätigt haben soll. Darauf angesprochen, erwiderte Cliff: "Daran kann ich mich nicht mehr erinnern."

Auch den Terminus "Bestechungsgelder", den der Zeuge gegenüber dem SFO verwendet hatte, wollte Cliff nicht mehr in den Mund nehmen: "Ich kann nicht sicher sein, ob es sich um Bestechungsgelder handelte." Grundsätzlich hielt Cliff fest: "Es ist nicht so, dass ich nicht helfen möchte. Aber mein Gedächtnis ist nicht so gut wie damals."

Die Staatsanwaltschaft wirft Mensdorff Geldwäsche vor. Der "Graf" soll im Zeitraum 2000 bis 2008 von BAE Systems insgesamt 12,6 Mio. Euro bekommen haben. Die Staatsanwaltschaft ortet bei BAE Systems eine auf Korruptionszahlungen ausgerichtete kriminelle Organisation. Mensdorff bestreitet diese Vorwürfe und behauptet, dass die Millionen nur "Spielgeld" von Timothy Landon gewesen seien, die dieser in zahlreiche Projekte investiert habe. Er, Mensdorff, selbst sei nur "Treuhänder" dieser Gelder gewesen. Landon ist mittlerweile verstorben.