Erstellt am 02. September 2011, 13:49

Kuh "Yvonne" kehrte nach 100 Tagen in Stall zurück. Kuh "Yvonne" hat ihr Leben als Reh im Wald aufgegeben und ist nach hundert Tagen Freiheit wieder auf die Weide zurückgekehrt.

Kuh Yvonne wird am Freitag (02.09.2011) auf einer Weide bei Stefanskirchen im Landkreis Mühldorf am Inn (Oberbayern) eingefangen. Nach wochenlangem Versteckspiel ist die berühmt gewordene ausgebüxte Kuh am Morgen nach zwei Betäubungsschüssen eingefangen worden. Foto: Andreas Gebert dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++  |  NOEN, Andreas Gebert (dpa)
Nach wochenlangem Versteckspiel ist das berühmt gewordene, einem Bauern entlaufene Fleckvieh im oberbayerischen Ampfing (Landkreis Mühldorf a. Inn) endlich eingefangen worden. Sie wurde heute, Freitag, mit einem Betäubungsgewehr ruhiggestellt und in den Gnadenhof von Gut Aiderbichl nach Deggendorf (Niederbayern) gebracht, wo sie mit ihrem Sohn "Friesi" zusammentraf.

"Schon der erste Schuss kurz nach 7.00 Uhr saß", schilderte Britta Freitag, Sprecherin von Gut Aiderbichl, am Freitag. Der Betäubungsexperte Henning Wiesner musste allerdings per Blasrohr noch einmal nachbetäuben. "'Yvonne' wies für ein Hausrind sehr starke Kräfte auf. Die erste Dosis reichte nicht." Die eigenwillige Kuh legte sich auf die Wiese, wo man ihr ein Halfter anlegte. Nach der Verabreichung eines Gegenmittels machte sie noch einen Sprung, dann ließ sie sich um 8.03 Uhr brav in den Anhänger führen. Der ehemalige Münchner Tierparkchef Wiesner verglich das Hausrind mit einem "toro bravo", wie in Spanien die Kampfstiere genannt werden.
 
Der Transport nach Deggendorf und das Ausladen der Kuh verliefen zur Erleichterung aller ohne Komplikationen. "Yvonne" verhielt sich ruhig. Im Stall kam es zu einer berührenden Szene, sie beschnupperte ihren zweieinhalbjährigen Sohn "Friesi". Mit ihm bewohnt sie jetzt ein Gehege, das aus mehreren Boxen zusammengebaut ist. Die beiden werden dann täglich mit Schwester Waltraut sowie Kälbchen Waldi und anderen Rindern auf einer Weide grasen können. Stier "Ernst", der "Yvonne" im Wald in eine Liebesfalle locken sollte, aber kläglich scheiterte, ist ebenfalls ein Mitbewohner in Deggendorf.
 
Das Schicksal des aus Österreich stammenden Rindes hatte wochenlang selbst im Ausland für Schlagzeilen gesorgt. "Yvonne" schaffte es sogar in die "New York Times". Dazu trug auch bei, dass Gut Aiderbichl die Kuh ihrem Besitzer abkaufte, um ihr wie weiteren 400 Artgenossen den Schlachthof zu ersparen - und stattdessen einen ruhigen Lebensabend zu ermöglichen.
 
Das Fleckvieh fraß sich in freier Wildbahn etwa 60 Kilogramm Winterspeck an. Die kalte Jahreszeit wollte es dann doch nicht im Wald verbringen. Sie war offenbar auch ihrer Einsamkeit überdrüssig geworden. "Die Kuh, die ein Reh sein will" wurde am Gatter einer Weide eines bayerischen Bauern entdeckt und eingelassen. Sie schloss sich vier Kälbern an. Identifiziert wurde sie dann per Ohrmarke. Am Donnerstag stand fest, dass es sich tatsächlich um die gesuchte "Yvonne" handelt. Ein erster Einfangversuch wurde nach Einbruch der Dunkelheit aufgegeben.
 
Am Freitag in der Früh war die Freude groß, als die "Kampfkuh" in den Tiertransporter marschierte. Zahlreiche Fangversuche waren in den vergangenen Wochen fehlgeschlagen. Das Rind gehörte ursprünglich einem Bauern in der Gemeinde Krems in Kärnten und hieß damals Angie. Der Landwirt verkaufte die Kuh nach Bayern, wo sie gemästet und dann geschlachtet werden sollte. Doch am 24. Mai lief das Tier von der Weide weg und hielt sich vorwiegend in den Wäldern rund um Zangberg im Landkreis Mühldorf auf.
 
Als "Yvonne" vor ein Polizeiauto rannte, wurde sie zum Sicherheitsrisiko erklärt und zum Abschuss freigegeben. Gut Aiderbichl kaufte dem Bauern die Kuh ab, um ihr im bayerischen Deggendorf eine neue Heimat zu geben. Das Landratsamt hatte dann die Abschussgenehmigung auf Dauer aufgehoben.