Erstellt am 12. Juni 2011, 10:26

Massive Folgeschäden für Erkrankte. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet massive Folgeschäden für EHEC-Erkrankte in Deutschland. "Etwa 100 Patienten sind so stark nierengeschädigt, dass sie ein Spenderorgan brauchen oder lebenslang zur Dauerdialyse müssen", sagte Lauterbach der Zeitung "Bild am Sonntag".

 |  NOEN, INGO WAGNER (DPA)
Der Seuchenforscher warnt vor weiteren Infektionswellen in Deutschland: "EHEC-Erreger sind weltweit auf dem Vormarsch. Auch in Deutschland wird es künftig immer wieder zu EHEC-Ausbrüchen kommen."

Den Meldeweg von EHEC-Erkrankungen per Post sieht Lauterbach als eine Ursache für die starke Ausbreitung der Krankheit an und kündigt eine Untersuchung im Gesundheitsausschuss des Bundestags an. "Die Kliniken müssen in Zukunft jeden EHEC-Fall direkt per Mail an das Robert-Koch-Institut melden", so Lauterbach. Die bisherige Meldekette vom Gesundheitsamt vor Ort über das Landesgesundheitsamt an das Robert-Koch-Institut dauere mindestens eine Woche. "Viel zu lang, da breitet sich der EHEC-Erreger aus. Wir werden im Gesundheitsausschuss untersuchen, wie viele Erkrankungen durch eine elektronische Meldepflicht hätten verhindert werden können", so Lauterbach.

Auch der deutsche Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sprach sich für technische Verbesserungen im Meldeverfahren für Seuchenfälle aus. Bahr sagte dem Blatt: "Nach Abklingen des EHEC-Ausbruchs werden Länder und Bund gemeinsam die Arbeit bewerten. Mir ist dabei der Informationsfluss zwischen den Beteiligten besonders wichtig. Das Meldeverfahren gehört auf die Tagesordnung. Ich kann nicht verstehen, warum die heutigen technischen Möglichkeiten nicht voll ausgeschöpft werden. Hier muss die Kommunikation schneller werden." Forderungen nach einer zentralen Stelle zur Seuchenbekämpfung erteilte der FDP-Politiker eine Absage.