Erstellt am 09. Mai 2012, 12:39

Messerstiche bei Streit in Mattersburg: Freispruch. Mit einem Freispruch und zwei Schuldsprüchen hat am Mittwoch im Landesgericht Eisenstadt der Prozess um einen blutigen Streit in Mattersburg geendet.

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Ein 19-Jähriger, der im Vorjahr auf seinen ehemaligen Mitbewohner eingestochen haben soll, wurde vom Vorwurf der schweren Körperverletzung freigesprochen. Sein gleichaltriger Kontrahent erhielt wegen leichter Körperverletzung 480 Euro Geldstrafe, wovon 240 bedingt nachgelassen wurden. Dessen 20-jähriger Cousin, der für ihn schlagkräftig Partei ergriffen hatte, wurde wegen Körperverletzung und Einbruchs zu fünf Monaten bedingter Haft und ebenso zu einer teilbedingten Geldstrafe verurteilt.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig. Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Die beiden Verurteilten erbaten Bedenkzeit.

Der Streit zwischen den Gleichaltrigen war im vergangenen Juli bei einem Treffen in Mattersburg eskaliert. Der Mitbewohner war zu dem Zeitpunkt schon aus der Wohnung des Lehrlings ausgezogen. Bei einem früheren Vorfall habe der 19-Jährige zwei Türen demoliert, sagte der Lehrling am Mittwoch im Prozess aus. Daraufhin habe er dessen Handy behalten, bis der andere es sich wieder zurückholte.

Am Handy entzündeten sich auch am 9. Juli des Vorjahres auch die Emotionen. Der Lehrling schilderte, der frühere Mitbewohner habe ihm plötzlich den Kopf nach unten gezogen und ihm mit dem Knie einen Stoß gegen die Nase verpasst. "Ich bin dann niedergeflogen und er hat sich auf mich draufgestürzt und mich geschlagen", berichtete der Lehrling, der sich ob seines Gewichts von 55 Kilo in der Unterlegenheit sah: "Ich hab' mir nicht zu helfen gewusst und habe dann das Messer gezogen." Dann habe er zweimal "leicht" zugestochen.

Als der Cousin des 19-Jährigen dazugekommen sei und ihn mit den Füßen ins Gesicht getreten habe, habe er Panik bekommen: "Ich habe gedacht, die bringen mich jetzt um." Dann habe er seinem Kontrahenten einen letzten Stich versetzt, der die Leber traf.

Der durch die Stiche schwer verletzte ehemalige Mitbewohner sagte aus, dass er sich noch an das Gespräch über das Handy erinnere. "Dann bin ich am Boden aufgewacht. Auf einmal habe ich ihn im Schwitzkasten gehabt und meine ganze rechte Seite hat wehgetan." Warum er zuschlug, konnte er nicht mehr sagen. "Ich war komplett unter Schock", meinte der Beschuldigte.

Der Lehrling wurde freigesprochen, "da es nach Ansicht des Gerichts doch Notwehr war", so Richterin Gabriele Nemeskeri. Für ihn habe in der Situation nicht die Möglichkeit bestanden, ein gelinderes Mittel anzuwenden. "Diese Version, dass sie zwischendurch vielleicht weg waren, kann ich ihnen nicht glauben", meinte die Richterin zum früheren Mitbewohner des Lehrlings: "Man kann nicht einfach umfallen und dann wieder aufwachen und jemand in den Schwitzkasten nehmen."

"Bei ihnen bin ich nicht von Nothilfe ausgegangen", eröffnete Nemeskeri dem 20-jährigen Cousin. "Sie können ja beide froh sein, dass er sich nicht die Nase gebrochen hat, wie sie ihm eine verpasst haben", sagte die Richterin zu den Verurteilten. Der 20-Jährige wurde auch wegen Einbruchs und Wegnahme einer Xbox schuldig gesprochen. Auf den Widerruf von bedingten Vorstrafen wurde bei beiden verzichtet. Stattdessen begnügte sich das Gericht mit einer teilweisen Verlängerung von Probezeiten.