Erstellt am 09. Januar 2012, 08:06

Mordprozess beginnt in zwei Wochen. In zwei Wochen, am 23. Jänner, beginnt am Landesgericht Eisenstadt der Prozess im Mordfall Nickelsdorf: Im Juli 2010 war eine verbrannte Frauenleiche in einem Maisfeld nahe der nordburgenländischen Gemeinde entdeckt worden.

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Ein mittlerweile 60-jähriger gebürtiger Argentinier wurde bald darauf festgenommen und muss sich nun wegen Mordes und Störung der Totenruhe vor einem Schwurgericht verantworten. Er hat bereits ein Geständnis abgelegt.
 
   Der Prozess ist für zwei Tage anberaumt. Vorsitzender des aus drei Berufsrichtern und acht Geschworenen bestehenden Schwurgerichts ist Alfred Ellinger, Vizepräsident des Landesgerichts. Am ersten Tag wird der Verdächtige befragt. "Am zweiten Prozesstag, am 24. Jänner, sind drei Sachverständige am Wort. Ein Psychiater, ein Psychologe und ein Mediziner", teilte Bernhard Kolonovits, Sprecher des Landesgericht auf Anfrage der APA mit.
 
   Der Mordfall hatte im Sommer 2010 für Aufsehen gesorgt, da die Polizei zunächst auch einen Zusammenhang mit einer Serie von Prostituierten-Morden nicht ausschließen konnte. Feuerwehrleute waren zu einem Flurbrand nahe der B10 bei Nickelsdorf gerufen worden und hatten zwischen einem Windschutzgürtel und einem Maisfeld die Tote entdeckt.
 
   Das Opfer konnte zunächst nicht identifiziert werden. Die Polizei veröffentlichte deshalb Bilder von Schmuckstücken, die die Frau getragen hatte. Der spätere Mordverdächtige, ein in Niederösterreich lebender Argentinier, meldete sich daraufhin bei den Beamten. Er informierte die Ermittler, dass es sich dabei vermutlich um den Schmuck der ihm bekannten, 72-jährigen Lydia D. handle. Der damals 58-Jährige lieferte somit einen entscheidenden Hinweis.
 
   Seit 4. August 2010 befindet sich der mutmaßliche Täter nun in Untersuchungshaft. Knapp ein Jahr lang schwieg er, ehe er im Sommer 2011 zugab, am Mordtag mit Lydia D. zusammen gewesen zu sein. Nach einer Einkaufstour in Bratislava sei es auf der Rückfahrt zu einem Streit gekommen. Dieser sei eskaliert und habe in Handgreiflichkeiten gemündet, gab der 60-Jährige im vergangenen Sommer zu Protokoll. Schließlich gestand er auch, die in Wien lebende 72-Jährige mit der Lenkradstange erschlagen und später angezündet zu haben.
 
   Für die Anklage, die im Herbst 2011 fertiggestellt wurde, mussten große Mengen an Daten, darunter E-Mails und Einträge sowie Nachrichten in Sozialen Netzwerken, ausgewertet werden. Das sei nötig gewesen, um eine möglichst dichte Beweislage und möglichst dichte Anklageschrift zu bekommen. Deshalb habe man "bis zum letzten Ermittlungsansatz alles ausgeschöpft", erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt.