Erstellt am 19. Juli 2012, 14:39

Nazi- und Pazifisten-Text in Krypta gefunden. Jahrzehntelang hat das Gerücht kursiert, dass vom Bildhauer Wilhelm Frass 1935 im Denkmal des "toten Soldaten" in der Krypta am Wiener Burgtor ein nationalsozialistisches Huldigungsschreiben versteckt wurde.

Nun wurde das Gerücht bestätigt. Allerdings: In der gefundenen Metallkapsel unter dem Denkmal steckte noch ein zweites Schriftstück mit konträrem Inhalt, nämlich einem Aufruf zum Pazifismus. "Wir können mit Fug und Recht von einer Sensation sprechen", betonte Verteidigungsminister Darabos am Donnerstag. Die beiden Schriftstücke, die am Mittwoch "in penibler Art und Weise" geborgen wurden, würden die "Ambivalenz der Errichtungszeit" des Denkmals darstellen, in der es keinen Konsens über staatliche oder nationalistische Identität gegeben habe, stellte Historikerin Heidemarie Uhl von der Militärhistorischen Denkmalkommission fest.

Bewahrheitet habe sich das "hochverräterische Schriftstück", das der Bildhauer Frass bereits 1938 in einem Brief an den Kunsthistoriker Karl Hareiter selbst als solches bezeichnet hatte. Konkret ist in dem Manifest von der "ewigen Kraft des deutschen Volkes" die Rede: "Möge der Herrgott, nach all dem Furchtbaren, nach aller Demütigung, den unsagbar traurigen Bruderzwist beenden und unser herrliches Volk einig im Zeichen des Sonnenrades, dem Höchsten zuführen! Dann, Kameraden, seid Ihr nicht umsonst gefallen."

Die "Sensation" sei aber das andere Schreiben, unterzeichnet vom Bildhauer Alfons Riedel. Zu erkennen sei, dass es auf anderem Papier als Frass' Schriftstück und "offensichtlich in Eile" verfasst wurde. Es vermittle eine "ganz andere Botschaft", "hier haben wir einen pazifistischen Aufruf", das habe niemand erwartet, gab sich die Historikerin erstaunt. Riedel sei möglicherweise der Bildhauergehilfe von Frass gewesen, bisher habe man von ihm aber gar nichts gewusst.

Riedel schrieb: "Ich wünsche, daß künftige Generationen unseres unsterblichen Volkes nicht mehr in die Notwendigkeit versetzt werden, Denkmäler für Gefallene aus gewaltsamen Auseinandersetzungen von Nation zu Nation errichten zu müssen." Die beiden Schriftstücke, deren Authentizität bereits bestätigte wurde, werden nun weiterer wissenschaftlicher Untersuchungen unterzogen und dann voraussichtlich dem Heeresgeschichtlichen Museum übergeben.