Erstellt am 22. Mai 2012, 16:30

Oberbank-Kundengelder veruntreut - Zwei Schuldsprüche. Mit zwei Schuldsprüchen hat am Dienstagnachmittag in Eisenstadt der Prozess um veruntreute Kundengelder der Oberbank geendet.

Einzug in Gerichtssaal. Der angeklagte Ex-Oberbank-Mitarbeiter winkte bei Prozessbeginn seinen „Gästen“ – unter ihnen sein Vater und zwei Priester – zu. „Viel Glück“ und „Mach’s gut“-Wünsche wurden dem Angeklagten, der jahrelang im Pfarrgemeinderat und in der Pfarre tätig war, zugerufen.GREGOR HAFNER  |  NOEN
Ihre gemeinsamen Geschäfte haben einen 35-jährigen Ex-Bankmitarbeiter aus dem Burgenland und einen 37-jährigen Ungarn auf die Anklagebank gebracht: Der Burgenländer soll laut Staatsanwalt rund 9,5 Millionen Euro Kundengelder der Oberbank abgezweigt, sein ungarischer Geschäftspartner ihn zu den Malversationen angestiftet haben. Ein Schöffensenat im Landesgericht Eisenstadt sprach am Dienstag beide schuldig: Der 35-Jährige wurde zu fünfeinhalb Jahren unbedingter Haft verurteilt, der Ungar, bei dem die Voraussetzungen für eine verschärfte Strafe wegen Rückfalls vorlagen, fasste siebeneinhalb Jahre aus. Beide Sprüche sind nicht rechtskräftig.

Beide Männer - der Banker, damals Teamleiter im Privatkundenbereich, und der Koch-Kellner, der bereits einschlägige Vorstrafen verbüßt hatte - hatten einander 2006 kennengelernt und beschlossen, ins Gastgewerbe einzusteigen, so Staatsanwalt Richard Ropper. Eine "vermeintlich große Geschäftsgelegenheit" - in Sopron waren Immobilien um vier Millionen Euro, darunter ein Gastronomiebetrieb, eine Diskothek und eine Pension zu erwerben - habe schließlich zur ersten Malversation geführt.

Um eine Anzahlung und später den Kredit zum Ankauf des Geländes finanzieren zu können, seien 500.000 Euro nötig gewesen, die zunächst eine Bank in Aussicht gestellt habe. Als das Geld jedoch nicht wie vereinbart floss und eine Frist zu verstreichen drohte, habe der 35-Jährige 2008 zum ersten Mal "in die Kassa gegriffen". Dieses "Spiel" habe sich dann mehrfach wiederholt: Der Erstangeklagte habe nach Aufforderung durch seinen Geschäftspartner immer wieder Zahlungen geleistet, für die er die Mittel auf illegale Weise beschaffte.

Damit die Geldquelle nicht versiege, habe der Ungar dem Burgenländer 2009 vorgespiegelt, dass seine Tochter entführt worden sei. Schließlich habe er beim 35-Jährigen den Eindruck erweckt, dass er von der Russenmafia in Geiselhaft genommen worden sei, so der Ankläger. Allein von April bis Dezember 2010 habe der Burgenländer 4,5 Millionen Euro an den Mitangeklagten transferiert.

Beide Männer bekannten sich vor Gericht schuldig. Der 35-Jährige sei dem Geschäftspartner "letztendlich in die Falle gegangen", erklärte sein Anwalt. Schließlich habe er sich in eine Abhängigkeit begeben, aus der er nicht mehr herausgekommen sei.

"Mir kommen fast die Tränen, wenn ich das alles so höre", wollte Rudolf Mayer, der den Ungarn verteidigte, diese Darstellung nicht hinnehmen. Er warf die Frage auf, wessen Schuld größer sei - jene eines Mannes, "der im Gefängnis war und nix hat und die Möglichkeit sieht, Geschäfte zu machen" oder jene des Bankmitarbeiters, dem es gut gehe und der sich dennoch am Vermögen seiner Kunden bereichere, die ihm vertraut hätten.

Der Burgenländer erklärte, sein Geschäftspartner habe ihm zunächst einen Businessplan vorgelegt, der "äußerst plausibel" gewesen sei. Als dann die 500.000 Euro benötigt wurden, sei ihm der Vorschlag gemacht worden, diese "illegale Zwischenfinanzierung" zu finden. "Ja, es stimmt, ich habe das Geld genommen", bekannte der Burgenländer.

Der Zweitangeklagte erklärte, er habe hinsichtlich seiner Vorstrafen nie gelogen. Er selbst sei fünf Tage lang entführt gewesen. Dafür hätten sich allerdings keine Indizien ergeben, ebenso wenig wie für eine Entführung seiner Tochter, sagte ein Kriminalist aus.

Der Ex-Banker erklärte in seinem Schlusswort, dass es ihm leid tue: "Das können sie mir glauben." Er bat das Gericht um die Chance für einen Neustart. "Ich stelle aber in Abrede, mich persönlich bereichert zu haben", fügte der 35-Jährige hinzu. Er vertraue auf die österreichische Justiz "und im Glauben an Gott lege ich alles in seine Hände", meinte der Ex-Bankmitarbeiter. "Gier ist eine der sieben Todsünden - für die Bibelfesten", kam der Vorsitzende in der Urteilsbegründung darauf zurück.