Erstellt am 28. März 2012, 12:33

Österreichisch-serbische Kooperation gegen Drogenschmuggel. Das EU-Projekt "Drug Policing Balkan" und bilaterale Kooperationen zwischen Österreich und Serbien sowie mit anderen Staaten soll es den Drogenschmugglern nicht allzu leicht machen.

Die Balkanroute spielt beim Drogenschmuggel in Europa nach wie vor eine zentrale Rolle. Heroin vor allem aus Afghanistan wird über die Türkei, den Balkan, Italien und Österreich nach Westeuropa transportiert. Doch auch die umgekehrte Richtung bekommt immer mehr Bedeutung, wie Serbiens Innenminister Ivica Dacic am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien ausführte. Von den niederländischen und belgischen Häfen wird südamerikanisches Kokain über die Balkanroute nach Südosteuropa gebracht.
 
Das EU-Projekt "Drug Policing Balkan" und bilaterale Kooperationen zwischen Österreich und Serbien sowie mit anderen Staaten soll es allerdings den Drogenschmugglern nicht allzu leicht machen. Unter österreichischer Federführung arbeiten die Ermittler aller 27 EU-Staaten, von drei Kandidatenländern, der Westbalkanstaaten, der Schweiz, der Ukraine, der USA sowie Vertreter von Europol, Eurojust, Interpol EMCDDA, UNODC und der Europäischen Kommission auf operativer Ebene zusammen.
 
Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (V) sprach von "einer Bilanz, die sich sehen lassen kann". In Österreich seien seit 2009 im Rahmen des Projekts elf internationale Haftbefehle ausgestellt, 145 Personen festgenommen und 60 Angeklagte zu insgesamt 350 Jahren Haft verurteilt worden. Weiters seien 26 Raubüberfälle und sechs Firmeneinbrüche geklärt worden. Darüber hinaus wurden 105 Kilogramm Kokain, 351 Kilogramm Heroin, 52 Kilogramm Cannabis, zwei Kilogramm Amphetamin und 452.000 Euro sichergestellt.
 
Ein Beispiel für die Kooperation der Sicherheitsbehörden am Balkan ist eine groß angelegte Operation, die 2011 bis Anfang 2012 lief. Laut Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamts (BK) und seinem serbischen Amtskollegen, Polizeidirektor Milorad Veljovic, arbeiteten dabei das Bundeskriminalamt, die österreichischen Verbindungsbeamten in Belgrad, die Landeskriminalämter Wien und Niederösterreich, die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS), die Abteilung des serbischen Innenministeriums zur Bekämpfung Organisierter Kriminalität (SBPOK) sowie slowenische und kroatische Behörden zusammen. Insgesamt wurden 74 Kilogramm Marihuana, zwei Kilogramm Amphetamin, 6,5 Kilogramm Heroin, 650 Gramm Kokain, 6.000 Ecstasy-Tabletten und Geld beschlagnahmt, sieben Personen wanderten in Haft.
 
Zunächst wurden vier Verdächtige verhaftet. In einer Wiener "Bunkerwohnung" stellten die Ermittler 22 Kilo Marihuana und 13.000 Euro sicher. Im Jänner 2012 war klar, dass immer wieder Lkw von den Niederlanden über Österreich nach Italien und Slowenien mit Suchtgift unterwegs waren. Mitte Jänner wurde ein Lkw gestoppt. Die Fahnder entdeckten 19 Kilo Marihuana, zwei Kilo Amphetamin und 6.000 Ecstasy-Tabletten sicher. Der slowenische Lenker wurde festgenommen. Durch Informationen der serbischen Kollegen wurde zwei Tage später ein weiterer Lastwagen gestoppt. 33 Kilo Marihuana fanden sich darin, ein Serbe und ein Bosnier wurden aus dem Verkehr gezogen.
 
Man wolle die Strukturen der Drogenschmuggler treffen, "nicht die Kleindealer oder die Konsumenten", sagte Lang. Es sei allerdings erschreckend, wie schnell die Transportschienen nach solchen Ermittlungserfolgen von den kriminellen Organisationen wieder aufgebaut werden.