Erstellt am 28. Juli 2011, 12:50

OGH entscheidet auf Schadenersatz für MEL- Anleger. Ein lange erwartetes OGH-Urteil verpflichtet den Anlageberater Euro Finanz Service Vermittlungs AG (EFS) zur Zahlung von Schadenersatz an Anleger, die mit Zertifikaten der ehemaligen Meinl European Land (MEL) Geld verloren haben. In einem anderen Fall muss EFS - ebenfalls nach einer höchstgerichtlichen Entscheidung - Zertifikate gegen Rückzahlung des Kaufpreises teilweise zurücknehmen.

Das berichtete die Arbeiterkammer am Donnerstag. Die AK hatte diesbezüglich Musterprozesse angestrengt. Gegen die Meinl Bank sind tausende MEL-Anleger vor Gericht gezogen, unter anderem werfen sie dem Finanzinstitut irreführende Werbung vor. Mittlerweile sind zwei Musterklagen der AK gegen Finanberater, die MEL-Produkte vermittelt haben, rechtskräftig entschieden. Fünf sind noch bei Gericht anhängig, weitere fünf wurden durch einen Vergleich geregelt.

Einem Linzer Ehepaar war 2004 von einem EFS-Berater zum Kauf von MEL-Zertifikaten geraten worden. Diese brächten bei gleicher Sicherheit einen höheren Ertrag als die bisherige Veranlagung, Bausparverträge und ein Rentenfonds, wurde den beiden versichert. Dem Finanzberater sei bekanntgewesen, dass das Paar eine sichere Veranlagung anstrebte, so die AK Oberösterreich. Als die Anleger 2008 die Zertifikate wieder verkaufen wollten, erlebten sie eine herbe Enttäuschung. Weil außergerichtliche Verhandlungen scheiterten, strengten die Konsumentenschützer einen Musterprozess an. Nun bestätigte der OGH das Vorliegen einer grob fahrlässigen Fehlberatung und sprach den Konsumenten den geforderten Schadenersatz zu.

Ein zweites OGH-Urteil verpflichtet EFS zur Rücknahme von zwei Dritteln der Zertifikate einer Anlegerin gegen Rückzahlung des Kaufpreises von über 16.500 Euro. Hier sieht das Gericht ein Mitverschulden der Kundin, weil sie als Akademikerin die Formulare mit den darin enthaltenen Risikohinweisen ungelesen unterschrieben hatte, nachdem ihr versichert worden war, dass sie das nicht zu lesen brauche, weil ohnehin alles besprochen worden sei.