Erstellt am 17. Januar 2013, 19:32

Ostösterreich versank im Schnee. Große Neuschneemengen haben am Donnerstag in der Osthälfte Österreichs zu beträchtlichen Verkehrsbehinderungen geführt und Mitarbeiter von Straßenmeistereien sowie Einsatzkräfte von Feuerwehren vor enorme Herausforderungen gestellt.

In Geduld üben mussten sich nicht nur Autofahrer, die wegen hängen gebliebener Lkw nicht weiterkamen, sondern auch Öffi- und Flugpassagiere: Am Flughafen Wien-Schwechat fielen zwei Drittel der geplanten Flüge aus.

Ab dem späten Vormittag durften am Flughafen keine Maschinen mehr landen, Starts waren nur eingeschränkt möglich. Insgesamt fielen bis 16.00 Uhr 229 von 342 Starts und Landungen aus. 113 Flüge konnten stattfinden - teilweise jedoch mit erheblichen Verzögerungen, sagte Flughafensprecher Peter Kleemann. AUA-Flüge wurden nach Graz und Linz umgeleitet. Nachdem sich die Wetterlage am Nachmittag gebessert hatte, rechnete der Flughafen damit, dass ab 20.00 Uhr wieder Landungen - jedoch in eingeschränktem Ausmaß - möglich sein sollen.

Die Schneemengen haben auch auf Autobahnen zu massiven Schwierigkeiten geführt, betroffen waren überwiegend Schwerfahrzeuge. Die Wiener Außenringautobahn (A21) wurde in der Früh für Lkw über 3,5 Tonnen in Richtung Sankt Pölten gesperrt. Ab etwa 17.00 Uhr war die Autobahn wieder für alle Fahrzeuge befahrbar. Feuerwehren in Niederösterreich bargen bis zum frühen Nachmittag 260 Fahrzeuge. Darunter befanden sich 125 Lkw mit einem Gewicht von 7,5 bis 40 Tonnen, die vorwiegend von der A21 und der Ostautobahn (A4) abgeschleppt werden mussten. Unfälle geschahen im Minutentakt. So wie in anderen Bundesländern blieb es überwiegend bei Sachschäden.

Mitten in der heißen Phase des Bundesheer-Wahlkampfes wurden anlässlich des heftigen Schneefalls in Baden auch Rekruten eingesetzt. Rund 100 Grundwehrdiener rückten Donnerstagnachmittag aus, um bei der Beseitigung von Schneemassen zu helfen.

Für die schneebedeckte Mühlkreisautobahn (A7) in Oberösterreich lautete die Empfehlung der Polizei: "Nur fahren, wenn es unbedingt nötig ist." Im Berufsverkehr in Oberösterreich entstanden wetterbedingte Staus und Verzögerungen, zahlreiche Schüler erschienen zu spät zum Unterricht. Elf Personen, darunter auch einige Schüler, mussten am Donnerstag in Leonding (Bezirk Linz-Land/OÖ) nach einem Unfall fast eine Stunde in einem Linienbus ausharren. Verletzt wurde niemand.

In Wien begannen die Probleme mit dem Einsetzen des Frühverkehrs ab etwa 7.00 Uhr. Für Behinderungen sorgten auch hier immer wieder hängen gebliebene Lkw, aber auch der Fahrbahnzustand. So musste ein Abschnitt der Laxenburger Straße in Liesing zwischen der Draschestraße und der Anschlusstelle S1 zwischenzeitlich wegen der festgefahrenen Schneedecke und teilweise Eisglätte gesperrt werden. "Komplett verstaut" war laut ÖAMTC die Südosttangente (A23) in Richtung Süden. Schuld waren häufig im Schnee hängen gebliebene Schwerfahrzeuge. Die Wiener Berufsfeuerwehr rückte bis 18.30 Uhr insgesamt 160 mal zu Einsätzen aus. Für den gesamten Tag wurden 200 Einsätze erwartet, normalerweise sind das rund 100 täglich.

Probleme gab es auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Wiener Linien rieten Fahrgästen zum Umstieg von Bus und Bim auf U-Bahnen. Bereits in der Früh entgleiste eine Garnitur der Linie 62, am Nachmittag eine Garnitur der Linie 49. Verletzt wurde niemand.

Nicht einmal das Burgenland blieb vom heftigen Wintereinbruch verschont. Im Süden führten die Schneefälle zu Störungen bei der Stromversorgung. Betroffen waren ab 6.00 Uhr insgesamt rund 2.500 Haushalte in den Bezirken Oberwart, Güssing und Jennersdorf. Burgenlands Feuerwehren verzeichneten mit Stand 16.30 Uhr etwa 110 Einsätze, verletzt wurde jedoch niemand.

Kettenpflicht für Lkw gab es auf der S31 bei Sieggraben sowie am Henndorfer Berg (Bezirk Jennersdorf) und auf der B16 bei Klingenbach (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) bis zur Staatsgrenze. Eine um 8.00 Uhr verhängte Sperre der Autobahn M1 von Nickelsdorf nach Budapest für Lkw über 7,5 Tonnen sorgte auch diesseits der Grenze für Behindungen: Im Bereich des Grenzübergangs bildete sich am Nachmittag ein 15 Kilometer langer Stau. Die Parkplätze an der A4 waren ausgelastet. Lkw wurden auf dem Pannenstreifen angehalten. Am späten Nachmittag rückte das Rote Kreuz aus, um die betroffenen Insassen und zum größten Teil Lkw-Fahrer mit Decken und Tee zu versorgen.

Auch in der westlichen Slowakei gab es wetterbedingt Verkehrsprobleme. Staus wurden vor allem aus dem Raum Bratislava gemeldet. Im Westen Österreich gab es keine größeren Probleme, die auf Schnee zurückzuführen waren. "Schuld" an den Niederschlägen trägt übrigens ein Italien-Tief. Der Schneefall soll am Freitag aufhören, im Osten ist laut ZAMG (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) allerdings mit Schneeverwehungen zu rechnen.