Erstellt am 11. Februar 2013, 11:56

Papst Benedikt wird zurücktreten. Benedikt XVI. wird am 28. Februar zurücktreten. Dies kündigte der Heilige Vater am Montag beim Konsistorium für die Seligsprechung von zwei süditalienischen Märtyrer an.

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Der Grund seines Rücktritts sei "ingravescentem aetatem'', also sein fortgeschrittenes Alter, erklärte der Papst laut Nachrichtenagentur ANSA in lateinischer Sprache.

Er habe nicht mehr länger die Kraft, die Aufgaben seines Amtes zu erfüllen. Er habe die Gewissheit, dass "meine Kräfte wegen meines hohen Alters nicht mehr angemessen sind, um auf adäquate Weise, das Petrusamt auszuüben", erklärte der Papst.



Der Papst bat um die Ausrufung eines Konklaves für die Wahl seines Nachfolgers. Dieses soll im März stattfinden, verlautete aus Vatikan-Kreisen am Montag. Das genaue Datum wurde jedoch noch nicht angekündigt.

"Das Alter drückt", sagte Papst-Bruder Georg Ratzinger am Montag der Nachrichtenagentur dpa: Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine transatlantische Reisen mehr zu unternehmen. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten.

Nur einen Tag vor der Bekanntgabe seines Rücktritts wandte sich Papst Benedikt XVI. via Nachrichtendienst Twitter an die Gläubigen. Seine Worte, datiert mit 10. Februar: "Wir dürfen der Kraft der Barmherzigkeit Gottes vertrauen. Wir sind alle Sünder, doch seine Gnade verwandelt uns und macht uns neu."

Als "Blitz aus heiterem Himmel" bezeichnete der ehemalige vatikanische Generalsekretär, Kardinal Angelo Sodano, den Rücktritt des seit 2005 amtieren Benedikt XVI. Der scheidende italienische Premier Mario Monti reagierte geschockt: "Ich bin von dieser unerwarteten Nachricht erschüttert", betonte er. Die deutsche Regierung bekundete "den allerhöchsten Respekt für den Heiligen Vater, für seine Leistung, für seine Lebensleistung für die katholische Kirche", wie Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin sagte.

Auf dem Petersplatz verbreitete sich die Nachricht des Rücktritts von Benedikt XVI. blitzartig. Der vatikanische Pressesprecher Pater Federico Lombardi berief eine Pressekonferenz ein, der Medienvertreter aus der ganzen Welt teilnahmen.

In der Kirchengeschichte trat ein einziger Papst, Coelestin V., der 1294 gewählt wurde, nach wenigen Monaten aus Gewissensgründen von seinem Amt zurück. Sein Nachfolger Bonifaz VIII. ließ ihn einsperren. Er starb 1296 in Gefangenschaft.

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Die Rücktrittserklärung im Wortlaut

Papst Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt zum Ende des Monats, am 28. Februar (20.00 Uhr), angekündigt. Es folgt die Erklärung im Wortlaut, die er laut Radio Vatikan am Montag während des Konsistoriums verlas:

"Liebe Mitbrüder! Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch, um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben. Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen. Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.

Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen."

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Reaktionen zum Papst-Rücktritt

"Ich bedauere diesen Schritt des Heiligen Vaters, hatte er doch als deutscher Papst immer einen besonderen Bezug zu den Menschen in Österreich", erklärte der Bischof von Eisenstadt, Ägidius Zsifkovics, am Montag zur Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. "Gleichzeitig zolle ich ihm meinen größten Respekt vor dieser Entscheidung, die er sicherlich nicht leichtfertig getroffen hat", so Zsifkovics, der mit einer ökumenischen Pilgergruppe im Heiligen Land unterwegs ist.

Auch er habe mit großer Überraschung vom Rücktritt von Benedikt XVI. erfahren. "Ich denke, dass es letztendlich doch schwerwiegende Gründe gewesen sind, die ihn zu diesem Schritt veranlasst haben. Diese Entscheidung zeigt aber auch, dass der Papst stets das Wohl der Gesamtkirche vor Augen hat", stellte der Diözesanbischof fest.

Die Gläubigen bat Zsifkovics um das Gebet für den Heiligen Vater. Der Bischof war Benedikt XVI. zuletzt im Oktober des Vorjahres im Rahmen der Bischofssynode begegnet.
Für Kardinal Christoph Schönborn ist die Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. ein "ganz außergewöhnlicher Schritt", der "höchsten Respekt und Hochachtung verdient". Er habe Verständnis für die Entscheidung des Papstes, wiewohl ihn dieser Schritt auch "schmerzlich berührt", so der Wiener Erzbischof am Montag in einer ersten Stellungnahme via "Kathpress". Ob er selbst ein potenzieller Nachfolger sein könnte, ließ Schönborn offen.

Die "Bürde des Papstamtes" sei enorm, do der Kardinal, der sich selbst vom Rücktritt des Papstes überrascht zeigte. Das Arbeitspensum - bestehend aus öffentlichen Terminen, Schreibtischarbeit, Entscheidungen und Beratungen - verlange dem fast 86-jährigen Papst unglaublich viel ab. Der Papst sei freilich bis heute "geistig völlig auf der Höhe seines Amtes", betonte Schönborn. Benedikt XVI. nehme seine Aufgaben "mit einer bewundernswerten geistigen und geistlichen Klarheit und Tiefe" wahr. Das wisse jeder, der etwa seine Predigten und Ansprachen hört.

Zugleich sei aber immer deutlicher geworden, dass die körperlichen Kräfte des Papstes schwinden würden, ergänzte Schönborn. Er selbst habe dies in seiner Verzichtserklärung großartig angeführt: Um das "Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden", sei "sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig". Er müsse nun sein "Unvermögen" erkennen, den ihm anvertrauten Dienst "weiter gut auszuführen", zitierte Schönborn den Papst. Nachsatz des Kardinals: "Dem gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen."

Sorgen um die katholische Kirche brauche sich niemand zu machen, zeigte sich Schönborn überzeugt. Es werde ein Konklave einberufen, das nach bewährten Regeln stattfinden wird. Im Übrigen sei es "Jesus Christus selbst, der die Kirche leitet". Er sei der oberste Hirte der Kirche: "Er hat sie in 2.000 Jahren durch alle Stürme geführt und wird sie auch weiterhin führen."

Auf die Frage, ob der bereits des öfteren als "papabile" gehandelte Schönborn potenzieller Kandidat ist, antwortete dieser in der ORF-"ZiB": "Mein Herz ist in Wien, mein Herz ist in Österreich - aber natürlich auch bei der ganzen Kirche."

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