Potzneusiedl , Eisenstadt

Erstellt am 14. September 2016, 14:23

von APA Red

Friseurin in Potzneusiedl getötet: Prozess fortgesetzt. In Eisenstadt ist am Mittwoch der Prozess um die Tötung einer 57-jährigen Friseurin im Vorjahr in Potzneusiedl (Bezirk Neusiedl am See) fortgesetzt worden.

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Der an Krebs erkrankte Hauptangeklagte erschien auch am zweiten Prozesstag nicht. Deshalb wird weiter nur gegen seine 53-jährige Exfreundin verhandelt, der Beitragstäterschaft zum Mord und Hehlerei vorgeworfen wird.

"Rückblickend gesehen, war das sicher ein Fehler"

Die Frau bekannte sich bisher nicht schuldig. Zu Beginn der Verhandlung ersuchte zunächst Verteidiger Werner Tomanek, einige Fragen an seine Mandantin richten zu dürfen. Ankläger Roland Koch hatte der 53-Jährigen vorgehalten, in der Tatnacht, als sie dann alleine im Fahrzeug gewesen sei, nicht die nächste Polizeidienststelle aufgesucht zu haben, um die Beamten über den Plan des Hauptangeklagten zu informieren.

Tomanek fragte die 53-Jährige, ob sie da nicht vielleicht doch etwas falsch gemacht habe. "Ganz sicher sogar", antwortete die 57-Jährige. "Rückblickend gesehen, war das sicher ein Fehler."

Anschließend begann das Gericht mit der Befragung der Zeugen. Als erster sagte ein Angestellter jener Firma aus, die jene GPS-TRacker herstellt, von denen die 57-Jährige einen gekauft haben soll - nach ihrer Aussage, um zu wissen, wo sich ihr Hund herumtreibe.

Tötung erst auf der Rückfahrt "klar geworden"

Der Mann sagte aus, das Gerät sei relativ einfach zu bedienen, wenn einmal die Anmeldung und das Login mittels einer App erfolgt sei. Dann genüge theoretisch ein Klick, um die Position des Hundes genau abzufragen. Für den Vormittag waren noch weitere Zeugenbefragungen vorgesehen.

Der Zweitangeklagten werde nicht zur Last gelegt, "dass sie selbst das Messer geführt hat oder das Stahlrohr", hatte Ankläger Roland Koch in seinem Eröffnungsplädoyer zu Prozessbeginn vor zwei Wochen betont. Jedoch habe sie gewusst, dass der 53-Jährige die Friseurin umbringen wollte und auch dazu beigetragen, dass der Angeklagte die Tat begehen konnte.

Die 53-Jährige bekannte sich hingegen nicht schuldig. Sie erzählte vor Gericht, dass ihr erst auf der Rückfahrt klar geworden sei, dass der 53-Jährige die Frau getötet habe. Der Hauptangeklagte habe sie anhalten lassen und sei ausgestiegen, um Gegenstände zu entsorgen - laut Anklage soll er dabei das Stahlrohr, mit dem die Frau erschlagen wurde, und den GPS-Tracker, den er in ihrem Fahrzeug montiert haben soll, weggeworfen haben.

Die 57-jährige Friseurin wurde in ihrem Haus in Potzneusiedl getötet. Sie starb durch einen Stich in die Brust mit der 17 Zentimeter langen Klinge eines Küchenmessers und durch wuchtige Schläge auf den Kopf, die zu Schädelbrüchen führten. Beide Verletzungen seien laut Gutachterin tödlich gewesen.

Die DNA des Hauptangeklagten habe sich laut Aussage einer weiteren Sachverständigen sowohl an etlichen Stellen am Körper als auch am Nachthemd des Opfers befunden. Am Pullover des 53-Jährigen sei außerdem eine Spur des Opfers sichergestellt worden.

Von der Zeugin plötzlich zur Beteiligten mutiert

Das Gericht in Eisenstadt befragte am Mittwochvormittag weitere Zeugen. Dabei ging es unter anderem um den Kalender, den die Angeklagte wie ein Tagebuch geführt hatte. Die 53-Jährige habe den Kalender von sich aus zur Beantwortung verschiedener Fragen herangezogen und ihn auch freiwillig herausgegeben, berichtete ein Ermittler.

 Auch die Befragung der Frau durch Ermittler wurde dabei indirekt zum Thema. Nach acht Stunden Einvernahme sei seine Mandantin von der Zeugin plötzlich zur Beteiligten mutiert. "Wie ist das vor sich gegangen?" wunderte sich Verteidiger Werner Tomanek. Dies habe sich aus der Auffindung des Kalenders ergeben, erläuterte ein Kriminalbeamter.

Tomanek wies darauf hin, dass die 53-Jährige große Angst vor dem Hauptangeklagten gehabt habe. Sie habe sogar sämtliche beim Verhör anwesenden Personen gebeten, ihr zu versprechen, "dass er (der Hauptangeklagte, Anm.) mir nichts tun kann".

Ein weiterer Kriminalbeamter erläuterte die Auswertung der Erfassung der Ruf- und der GPS-Trackerdaten. Nach dem Grund für den Kauf des GPS-Tracers befragt, blieb die Angeklagte dabei, dass sie ihn gekauft habe, um zu wissen, wo sich ihr Hund aufhalte. Auf die Frage aus dem Senat, warum sich über diesen Umstand keine Kalendereintragung finde, antwortete die 53-Jährige: "Es war ein Spontankauf".

Ankläger fordert Schuldspruch

Nach Befragung der Zeugen waren Ankläger und Verteidiger am Wort: Staatsanwalt Roland Koch forderte für die 53-Jährige Angeklagte Schuldsprüche wegen Betragstäterschaft zum Mord und wegen Hehlerei. Verteidiger Werner Tomanek berief sich für seine Mandantin, die "wie eine Maus in der Falle" gesessen sei, auf Notstand.

Die Angeklagte habe die Vorwürfe objektiv zugegeben - mit Ausnahme des Tracker-Ankaufs, argumentierte der Staatsanwalt. Die 53-Jährige habe den GPS-Tracker gekauft und ihn samt dem Tablet dem Hauptangeklagten gegeben, sie habe ihm ihr Fahrzeug überlassen und sei mit ihm mitgefahren, zählte Koch auf. Was die Angeklagte getan habe, sei "ein Tatbeitrag zum Mord, weil ohne die Hilfe wäre es gar nicht soweit gekommen." Die 53-Jährige sei aber nicht "die treibende Kraft" hinter dem Verbrechen gewesen.

Nachdem die 53-Jährige um die Absicht des Hauptangeklagten, die Friseurin zu töten, gewusst habe und dieser plötzlich mit Geld zurückgekommen sei - obwohl er vorher keines gehabt habe - sei ihr klar gewesen, dass er es vom Opfer weggenommen habe, argumentierte Koch. Da sie auch einen Teil des Geldes an sich genommen habe, handle es sich um Hehlerei.

"Die Tat ist enorm schwer", man brauche sich nur die Fotos vom Tatort anzusehen, ,meinte Koch hinsichtlich des Strafrahmens. "Ein Geständnis im Sinne der Anklage war das nicht", stellte er fest. Die Angeklagte sei jedoch "keine Kandidatin für eine lebenslange Strafe", sondern für den unteren Strafrahmen.

Verteidiger plädiert auf Notstand

Anwalt Tomanek beschrieb die Problematik der Laiengerichtsbarkeit mit einem Vergleich: "Sie fangen zum Fußballspielen an in der Champions League, ohne vorher jemals den Ball gesehen zu haben".

Dass das Opfer heute noch leben würde, wäre die Mitangeklagte zur Polizei gegangen, "das ist natürlich falsch", stellte der Verteidiger fest. Der Hauptangeklagte sei "zur Tat entschlossen" gewesen und hätte seine Aggression gegen die 53-Jährige gerichtet, wenn sie ihn bei der Polizei angezeigt hätte.

Die Mitangeklagte habe an der Seite des 53-Jährigen "ein echtes Gefangenen-Dilemma" erlebt, sie habe gewusst: "Da komm ich nicht mehr raus. Auch das ist eine Notstandssituation", argumentierte Tomanek. Allenfalls komme als Delikt Unterlassung der Verhinderung einer mit Strafe bedrohten Handlung infrage. Doch auch im Fall einer Verurteilung wegen Beitragstäterschaft zum Mord gebe es "natürlich" Gründe für eine außerordentliche Milderung.