Erstellt am 03. Oktober 2011, 11:46

Prozess gegen Rapid-Fans gestartet. Am Montag hat im Wiener Straflandesgericht der Prozess gegen zunächst 32 Rapid-Fans begonnen, denen im Zusammenhang mit gewalttätigen Ausschreitungen am Wiener Westbahnhof vom 21. Mai 2009 Landfriedensbruch, Körperverletzungen und Sachbeschädigungen vorgeworfen werden.

Insgesamt erhob die Staatsanwaltschaft gegen 85 Personen Anklage, die sich vor Gericht zu verantworten haben werden.

Die 32 Angeklagten, gegen die vorerst verhandelt wird, hatten auf namentlich gekennzeichneten Sesseln Platz zu nehmen. Als die Fotografen und Kamerateams in den Saal gelassen wurden, verbargen die meisten ihre Gesichter hinter kleinformatigen Zeitungen, Schreibblöcken und Aktenordnern oder zogen sich die Kapuze ihrer Pullis über den Kopf. Zwei Plätze blieben frei: Einer der Beschuldigten liegt im Spital, ein weiterer blieb dem Verfahren vorerst unentschuldigt fern.

Unter den Angeklagten befindet sich der Anführer der "Ultras", einer besonders eingefleischten Fan-Gruppierung. Der 29-Jährige soll laut Anklageschrift in führender Funktion "wissentlich an einer Zusammenrottung einer Menschenmenge" teilgenommen haben, "die darauf abzielte, dass unter ihrem Einfluss Körperverletzungen oder schwere Sachbeschädigungen begangen werden". Dutzende Rapid-Anhänger waren damals nach einem Heimspiel gegen Mattersburg zum Westbahnhof marschiert, um von einer Auswärtspartie in Linz heimkehrende Austria-Fans in Empfang zu nehmen.

Laut Staatsanwaltschaft konnten gröbere Attacken auf die Austrianer nur deshalb verhindert werden, weil die Polizei von dem Vorhaben Wind bekommen hatte und die gegnerischen Fans am Bahnhof abgeschirmt wurden. "Bei dem von Aggression und kollektiver Gewaltbereitschaft getriebenen Versuch der Angeklagten, an den Exekutivbeamten vorbei und zu den FK Austria-Anhängern zu gelangen, kam es zu zahlreichen, in Summe schweren Sachbeschädigungen zum Nachteil der ÖBB und zu teils vollendeten, teils versuchten Körperverletzungen an einschreitenden Exekutivbeamten", heißt es in der Anklage.

Dabei soll sich der "Ultra"-Chef besonders hervorgetan haben: Ihm wirft der Staatsanwalt wörtlich vor, seine Bekanntheit "missbraucht" zu haben, "um die Ausschreitungen am Westbahnhof anzuheizen und zum Teil zu steuern". Der 29-Jährige soll demnach mit Armzeichen und Zurufen Anweisungen gegeben und so andere Teilnehmer regelrecht "dirigiert" haben.