Erstellt am 08. Mai 2012, 11:00

Prozess um Juwelierraub in Eisenstadt - Ein Täter war "sehr brutal". Zum Auftakt des zweiten Tages im Prozess um den Überfall auf den Eisenstädter Juwelier Hohensteiner ist heute, Dienstag, zuerst die Geschäftsinhaberin befragt worden.

 |  NOEN
Die Frau berichtete, einer der drei Räuber sei brutal vorgegangen und habe sie mit einer Pistole geschlagen. Der Angeklagte könnte "der Statur nach" einer der Täter bei dem Überfall im November 2005 dabei gewesen sein, antwortete die Unternehmerin auf die Fragen des Vorsitzenden des Schöffensenats, Wolfgang Rauter.
 
"Er ist die Stiege raufgekommen und hatte eine Maske auf", schilderte die Firmenchefin. Während der Räuber mit ihr in den unteren Teil des Geschäfts gegangen sei, habe sie den Knopf für den stillen Alarm betätigen können. "Dann sind wir vor der Tür gestanden. Er hat mit der rechten Hand meinen Hals gehalten." Der Täter habe ihr mit der Pistole in die rechte Seite geschlagen. Die Schmerzen habe sie im Schock nicht gespürt.
 
"Die anderen liefen gezielt ins Geschäft, hatten aber keine Waffen", berichtete die Frau. Die beiden Komplizen seien zu den Vitrinen und hätten das Glas mit "schwerem Gerät"  eingeschlagen. Die Unternehmerin ging davon aus, dass die Räuber vor dem Überfall genau instruiert worden waren: "Sie haben gezielt jede Uhr aus der Auslage genommen, was ihnen gesagt wurde. Die haben keine Ahnung, wenn sie ihnen zwei Uhren hinlegen, welche die teure und welche die billige ist." Eine Vitrine mit billigeren Zeitmessern hätten die beiden zerschlagen, jedoch keine der Uhren mitgenommen.
 
Die Zeugin beschrieb die Täter als "eher große Leute. Die waren alle über 1,80." Auf die Frage des Richters, ob der 27-jährige Angeklagte einer der Männer bei dem Überfall gewesen sein könnte, meinte die Chefin: "Er kann es sein, aber nur die Statur. Ich habe das Gesicht nicht gesehen."
 
Der Richter veranlasste den Angeklagten aufzustehen, um der Zeugin einen Größenvergleich zu ermöglichen. Die Frau ging auf den Serben zu und bat ihn, sich umzudrehen. Dass sie sich dabei ganz in die Nähe des Angeklagten begab, sorgte bei den Bewachern für Stirnrunzeln

Der 22-jährige Uhrmacher, der Minuten später angeschossen wurde, habe in der Werkstatt mitbekommen, dass ein Überfall stattfinde, berichtete die Firmenchefin. Nachdem der junge Mann den akustischen Alarm ausgelöst hatte, suchten die Räuber und mit ihnen der Pistolenmann hastig das Weite: "Er hat mich genommen, ich war eine Salzsäule, er hat mich auf die Seite gestellt und die sind alle durchgelaufen", schilderte die Unternehmerin. "Jeder war damit beschäftigt, das Diebesgut aus dem Geschäft zu bekommen." Die anderen Täter seien nicht bewaffnet gewesen.
 
Der junge Uhrmacher habe "wie automatisiert" die Täter verfolgt und sei an ihr vorbei: "Vielleicht hatte er auch einen Schock. Ich habe nur gesagt, Herr R., bleiben sie da, die sind gefährlich." Als ihr der Richter Fotos der anderen mutmaßlichen Täter vorlegte, meinte die Firmenchefin bei einem der Bilder: "Ich habe sein Gesicht nicht gesehen, aber ich kann spüren: Das ist der Mann." Den materiellen Schaden, der bei dem Raub entstand, sei mittlerweile völlig ersetzt, berichtete die Zeugin.
 
Die Tochter der Firmenchefin erzählte, dass sie sich in einem hinteren Bereich des Geschäfts aufgehalten habe. Sie habe zunächst Stimmen gehört und dann zwei der Räuber gesehen, wie diese die Scheiben der Vitrinen einschlugen. Dann habe sie den Zeitpunkt genutzt, um bei der Hintertür hinauszulaufen: "Dann habe ich 'Alarm' gerufen und 'Überfall'."
 
Sie habe dann noch mitbekommen, wie ein Mann aus dem Geschäft gerannt sei. Der Uhrmacher sei ihm hinterhergelaufen. Dann habe sie den Schuss gehört, der den 22-Jährigen lebensgefährlich verletzte. Im Verlauf des Prozesses sollen heute, Dienstag, auch noch Gutachten erörtert werden. Ob weitere Beweisanträge eingebracht werden, war vorerst nicht absehbar.